41 Häuser gegen die Wohnungsnot: Zürcher Unternehmer baut für seine Mitarbeitenden – ein beispielloses Zeichen der Solidarität

Ein Quartier als Antwort auf die Wohnungsnot

Im Kanton Freiburg zeigt ein Industrieunternehmer, wie Firmen der akuten Wohnungsnot begegnen können: Nahe seiner Produktionshalle in Romont entstehen 41 Häuser ausschliesslich für Mitarbeitende. Das Projekt soll Pendelzeiten verkürzen, Fachkräfte halten und neue Talente anziehen. In einer Zeit, in der freie Wohnungen rar und Mieten hoch sind, setzt das Unternehmen auf eine konkrete, lokal verankerte Lösung.

Der Bau des neuen Quartiers erfolgt in Etappen und liegt unweit der wichtigsten Buslinien sowie des Bahnhofs. So können Angestellte ihren Alltag vereinfachen und Mobilitätskosten senken. Gleichzeitig stärkt das Vorhaben die Gemeinde und die regionale Wertschöpfung.

Nähe zum Arbeitsplatz, Qualität fürs Leben

Das Quartier vereint Reihenhäuser, kompakte Duplex-Einheiten und mehrere Familienwohnungen mit gemeinschaftlichen Aussenräumen. Vorgesehen sind Grünflächen, Spielzonen und ein kleiner Nachbarschaftspavillon für Kurse, Sitzungen oder Kinderbetreuung. Die Architektur folgt dem Minergie-Standard, mit gut gedämmten Fassaden, dreifach verglasten Fenstern und einer Photovoltaikanlage auf den Dächern.

Bei den Mietpreisen orientiert sich das Unternehmen am lokalen Markt, bietet aber für Angestellte eine moderate Staffelung. Für qualifizierte Fachkräfte in der Einarbeitung und Lehrabgänger sind zusätzliche Vergünstigungen vorgesehen. Die Mietzinse werden in CHF ausgewiesen, mit transparenten Nebenkosten und klaren Mietverträgen.

Rekrutieren, binden, entlasten

Die regionalen Arbeitsmärkte sind angespannt, die Leerstandsquote liegt in vielen Gemeinden unter eins Prozent. Für Betriebe im Mittelland ist bezahlbarer Wohnraum längst ein Standortfaktor. Genau hier setzt das Projekt an. Der Geschäftsführer bringt es auf den Punkt: „Dieses Bauprogramm soll den Zugang zu Wohnraum für heutige und künftige Mitarbeitende erleichtern.“ Die Botschaft ist klar: Wer einen Arbeitsplatz anbietet, sollte auch Wege zu Wohnlösungen mitdenken.

In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Kanton wurden Baurecht, Mobilitätsfragen und Erschliessung koordiniert. Ziel ist ein Quartier, das nicht nur den Betrieb, sondern auch das Dorfleben stärkt – mit offenem Spielplatz, öffentlich zugänglichen Sitzbänken und sicheren Velowegen.

Finanzierung mit Weitblick

Das Unternehmen setzt auf eine Mischung aus Eigenmitteln, langfristigen Hypotheken und einem betriebseigenen Wohnfonds. Entscheidend ist der Horizont: Die Rendite wird nicht kurzfristig, sondern als strategischer Nutzen gerechnet – weniger Fluktuation, einfachere Rekrutierung, stabilere Teams. Ein Teil der Häuser wird in eine Genossenschaftslösung überführt, um dauerhaft faire Mieten zu sichern.

  • Nachhaltiger Holz-Hybridbau mit regionaler Wertschöpfung
  • Energiestandard Minergie mit Solarstrom und smarter Lüftung
  • Priorisierte Vergabe an Mitarbeitende mit klaren Kriterien
  • Option auf Mietkauf nach mehrjähriger Bewährung
  • Quartiershügel mit Gemeinschaftsgarten und Spielbereich
  • Mobilitätspunkt mit Veloabstellplätzen, E‑Ladestationen und Carsharing

Diese Bausteine verbinden ökologische Standards mit sozialer Verantwortung und betrieblicher Vernunft. Die Baukosten bleiben dank serieller Vorproduktion kalkulierbar, die Bauzeit kurz, die Qualität hoch.

Ein Impuls für die Region

Die Baustelle bietet Lehrstellen, Praktika und Einsätze für lokale KMU – von der Holzverarbeitung bis zur Gebäudetechnik. Das stärkt die Kompetenzen vor Ort und verkürzt die Lieferketten. Die Gemeinde profitiert von neuen Steuereinnahmen, einer Aufwertung des Quartiers und zusätzlicher Infrastruktur.

Wichtig ist auch der kulturelle Aspekt: Wer in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnt, integriert sich schneller, engagiert sich in Vereinen und nutzt regionale Angebote. Das Unternehmen begleitet den Einzug mit Willkommensanlässen, Informationen zu Schulen, ÖV‑Abos und einem freiwilligen Mentoring durch langjährige Mitarbeitende.

Faire Regeln, klare Prozesse

Die Vergaberichtlinien sind transparent: Vorrang haben berufliche Akteure in systemrelevanten Funktionen, Pendelnde mit weiter Anreise und Familien mit spezifischem Bedarf. Gleichzeitig bleibt ein Anteil für die Gemeinde offen, um soziale Durchmischung zu fördern. Die Mietverträge werden rechtlich geprüft, unabhängig verwaltet und jährlich überprüft.

Zur Prävention von Interessenkonflikten trennt das Unternehmen Personalwesen und Vermietung. Ein externer Treuhänder wacht über die Vergabe, eine Kontaktstelle nimmt Feedback aus der Mieterschaft entgegen. So bleibt das System fair, nachvollziehbar und belastbar.

Nächste Etappen

Die ersten Schlüsselübergaben sind für das kommende Frühjahr geplant. Parallel startet die zweite Bauetappe mit zusätzlichen Wohnungen und dem Gemeinschafts‑Pavillon. Informationsabende in der Gemeinde und ein digitaler Rundgang geben Einblick in Grundrisse, Energiekonzept und Mietbedingungen in CHF.

Was hier entsteht, ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Modell, das Betriebe in anderen Schweizer Regionen inspirieren kann – pragmatisch, sozial und zukunftsfähig. Wenn Arbeit, Wohnen und Mobilität klug zusammengedacht werden, profitieren Menschen, Unternehmen und Gemeinden gleichermassen.

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