Nach mehr als einem Jahrzehnt deutlicher Unterperformance haben sich die Schwellenmärkte im Jahr 2025 erholt und die entwickelten Märkte übertroffen. Diese lange Verzögerung, von 2010 bis 2025, erklärt sich größtenteils durch zwei Faktoren: Zum einen durch die strukturellen Schwierigkeiten des chinesischen Marktes, verbunden mit der Anpassung des Immobiliensektors und den negativen Wohlstandseffekten auf Konsum und Vertrauen. Zum anderen durch die außergewöhnliche Performance der „Magnificent 7“ in den Vereinigten Staaten, die einen bedeutenden Anteil der weltweiten Aktienwertschöpfung konzentriert hat.
Die zentrale Frage ist nun, ob diese Dynamik tragfähig ist oder ob die Dominanz der entwickelten Märkte sich wiederherstellen wird. Mehrere Faktoren sprechen für eine Fortsetzung der Überlegenheit der Schwellenländer.
Eine strukturell günstige Wachstumsdynamik
Die Volkswirtschaften der aufstrebenden asiatischen Region – Indien, Vietnam, die Philippinen, Indonesien, China und Malaysia – weisen weiterhin Wachstumsraten auf, die höher sind als jene der entwickelten Länder. Dieser Unterschied fügt sich in den Prozess der wirtschaftlichen Konvergenz ein, nach dem ärmere Länder dank Produktivitätsgewinnen, Industrialisierung und dem Aufstieg der Mittelschicht mit einem höheren Tempo vorankommen.
Ein günstiges geldpolitisches Umfeld
Die Zentralbanken der Schwellenmärkte befinden sich in einem Zinssenkungszyklus, dem die expansivere Ausrichtung der US-Notenbank Federal Reserve folgt. Bemerkenswert ist, dass trotz dieser geldpolitischen Lockerung mehrere Schwellenländerwährungen gegenüber dem Dollar aufgewertet haben, was sich positiv auf die Performance lokaler Vermögenswerte ausgewirkt hat.
Vielfältige Treiber der Performance
Die Wertentwicklung der Schwellenmärkte beruht auf regional unterschiedlich geprägten Treibern. Einerseits ist Lateinamerika Rohstoffen ausgesetzt, insbesondere jenen in der Vorstufe der Wertschöpfungskette der künstlichen Intelligenz. Andererseits ist aufstrebendes Asien dem Technologiebereich, Halbleitern und Unterhaltungselektronik ausgesetzt. Schließlich profitiert Südafrika von der Dynamik der Bergbaugesellschaften, insbesondere der Goldminen.
In Lateinamerika dürfte Brasilien vom Aufwärtszyklus der Rohstoffe profitieren. Das Land könnte zu einem strategischen Akteur auf dem Markt der Seltenen Erden werden, dank der Bedeutung seiner unerschlossenen Vorkommen. Laut dem US Geological Survey besitzt Brasilien rund 23% der weltweiten Reserven, was die zweitgrößten der Welt bedeuten würde. Während China heute den Sektor dominiert, mit etwa 60% der weltweiten Förderung und mehr als 90% der Verarbeitungsmöglichkeiten, suchen westliche Länder aktiv danach, ihre Versorgungsquellen zu diversifizieren, infolge der chinesischen Exportbeschränkungen. Die Vereinigten Staaten und Europa könnten daher ihre Partnerschaften mit Brasilien stärken, insbesondere durch gemeinsame Investitionen in Lithium, Nickel und Seltene Erden.
Indien und China: unterschiedliche Situationen
Indien und China haben in jüngerer Zeit unterperformt. Indien könnte jedoch wieder zulegen, insbesondere falls ein Handelsabkommen mit den USA das Vertrauen der Investoren stärkt und Kapitalströme unterstützt.
China bleibt vor einer schwachen Inlandsnachfrage und einem angeschlagenen Immobiliensektor. Die zentrale Fragestellung ist das Ausmaß einer möglicherweise zusätzlichen fiskalischen Unterstützung nach vier Jahren der Abschwächung. Eine signifikante Belebung könnte eine Neubewertung des chinesischen Aktienmarktes rechtfertigen. Derzeit bleiben wir jedoch gegenüber Schwellenmärkten außerhalb Chinas übergewichtet.
Diversifikation und attraktive Bewertungen
Die Schwellenländeraktien weisen derzeit eine relativ niedrige Korrelation zu den Märkten der Industrieländer auf, was ihr Diversifikationspotenzial erhöht. Die Bewertungen bleiben in Lateinamerika und Südafrika attraktiv. In aufstrebendem Asien erscheint Südkorea hinsichtlich Bewertung weiterhin attraktiv, obwohl es in den letzten zwölf Monaten einen starken Anstieg gegeben hat.
Abschließend bildet das Thema künstliche Intelligenz und der damit verbundene Energiebedarf einen starken Katalysator für zahlreiche Schwellenländer, insbesondere jene, die stark von strategischen Rohstoffen abhängig sind. In diesem Kontext erscheinen Schwellenländer nicht nur als Diversifikationsquelle, sondern auch als potenzieller Rendite-Treiber mittelfristig.
