Ein Schweizer Unternehmer sorgt mit seinem ungewöhnlichen Lebensstil für Aufsehen

Er passt in kein Schema, und genau das macht ihn sichtbar. Ein Zürcher Gründer bricht mit Gewohnheiten, die man von Führungskräften erwartet, und verwandelt Alltag in Experiment. Was wie Pose klingen könnte, wirkt bei ihm wie eine Disziplin, die sich täglich neu beweist.

Statt unauffällig im Hintergrund zu arbeiten, macht er seine Routinen transparent. Nicht aus Eitelkeit, sagt er, sondern als Testfeld für produktive Andersartigkeit. “Wenn etwas nicht funktioniert, ändere ich es innerhalb einer Woche”, erzählt er mit ruhiger Stimme.

Morgenroutine zwischen Bergsee und Boardroom

Sein Tag beginnt vor Sonnenaufgang, oft am Ufer eines kühlen Bergsees. Dort schwimmt er zehn Minuten, hört auf den eigenen Puls und plant drei klare Fokuspunkte. “Kreislauf an, Ego aus”, sagt er und lacht leise.

Anstelle eines überladenen Frühstücks trinkt er Kräutertee und isst eine kleine Schale fermentiertes Gemüse. Dann fährt er mit dem Fahrrad in ein kleines Atelier, das er nur an drei Tagen pro Woche nutzt. Die restliche Zeit arbeitet er aus Bibliotheken, Zügen oder Berghütten.

Arbeiten ohne Büro

Sein Team ist radikal dezentral, mit klaren Asynchron‑Regeln. Meetings sind selten und streng auf 20 Minuten begrenzt. “Wer reden will, muss vorher schreiben”, lautet eine seiner ständigen Maximen. Er führt mit Dokumenten, nicht mit Decks.

Kommunikation findet schriftlich in kurzen Memos statt, Entscheidungen liegen in öffentlichen Threads. So bleibt der Kontext nachvollziehbar, und die Geschwindigkeit steigt, ohne Menschen zu überrollen. “Fokus ist die einzige Superkraft, die wir uns leisten können.”

Geld, Zeit und Radikalität

Er zahlt sich ein moderates Gehalt aus und teilt Gewinne transparent mit Mitarbeitenden. Luxus meidet er nicht aus Askese, sondern um die eigene Wahrnehmung scharf zu halten. “Teure Dinge machen mich träge. Freie Zeit macht mich neugierig.”

Sein Kalender ist fast leer, aber voller Absicht. Blocks für Tiefenarbeit, Spaziergänge ohne Telefon, Gespräche mit Menschen außerhalb der Bubble. Er sagt: “Ich will das, was andere ‘später’ nennen, bewusst ins Jetzt ziehen.”

Vergleich: Unkonventioneller Ansatz vs. Standard-CEO

Aspekt Sein Ansatz Typischer CEO
Schlafrhythmus 22–5 Uhr, konsequent ohne Ausnahmen 23–7 Uhr, häufig variabel
Transport Fahrrad, Bahn, selten Taxi Fahrer, Auto, häufig Flug
Meeting-Kultur Kurz, schriftlich vorbereitet Lang, häufig präsentationslastig
Büro 3 Tage Atelier, sonst mobil Feste Zentrale, tägliche Präsenz
Vergütung Moderat + Gewinnteil, transparent Hoch + Bonus, oft intransparent
Besitz Wenig Dinge, viel Leihmodelle Eigentum, symbolische Assets
Ernährung Einfach, fermentiert, regional Variabel, oft geschäftsbedingt
Arbeitszeit Tiefenblöcke, klare Rituale Dauerpräsenz, viele Ad-hocs
Erfolgsmessung Output, Lernzyklen, Kundennutzen Umsatz, Headcount, Machtbereich
Auszeiten Mikro‑Retreats, digitale Fasten Urlaube selten, ständig erreichbar

Kritik und Begeisterung

Sein Weg polarisiert, und das ist ihm recht. Fans feiern die ruhige Klarheit, Kritiker sehen einen “Lifestyle‑Kult für privilegierte Menschen”. Er bleibt gelassen: “Privileg ist kein Schuldgefühl. Es ist ein Auftrag zum Teilen.”

Eine Mitarbeiterin sagt: “Zum ersten Mal ist mein Kalender freundlich. Wir messen echte Arbeit, nicht Anwesenheit.” Ein Investor nennt ihn “ungewöhnlich, aber berechenbar” und lobt die saubere Unit‑Economics statt pompöser Storys.

Eine Arbeitsweise, die Verhalten erzwingt

Das System ist so gebaut, dass die richtigen Dinge leicht fallen und die falschen mühsam werden. Wer pünktlich liefert, bekommt mehr Autonomie. Wer stört, muss die Kosten beziffern. Diese Transparenz macht Spiele langweilig und Arbeit ehrlich.

Er nutzt “Energie‑Buchhaltung”: Er trackt nicht nur Zeit, sondern die Qualität seiner Aufmerksamkeit. Was zieht Kraft, was gibt Kraft? Alle zwei Wochen streicht er einen Prozess, der mehr Energie frisst, als er liefert.

Seine drei Regeln, kurz und hart

  • Wenn es nicht schriftlich existiert, existiert es nicht. Wenn es nicht gemessen wird, passiert es nicht.

Was bleibt hängen?

Er verfolgt kein romantisches Minimalismus‑Narrativ, sondern ein praktisches Betriebssystem für Sinn und Wirkung. “Ein gutes Leben ist eine Infrastruktur”, sagt er, “kein Moodboard und kein Mythos.”

Spürbar ist die seltsame Mischung aus Strenge und Spielfreude. Der Mann, der um fünf Uhr morgens im kalten See steht, führt am Nachmittag eine nüchterne Kostenrechnung – und geht danach ohne Telefon eine Stunde gehen. Kaum Glamour, aber viel Güte im Detail.

Ob sein Ansatz skalierbar ist, bleibt offen. Doch er liefert eine Antwort auf eine stille Sehnsucht in vielen Teams: Arbeit, die die eigene Würde respektiert und Ergebnisse statt Status belohnt. Vielleicht ist genau das die eigentliche Provokation.

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