Junge Dreissigjährige kaufen historisches Schloss im Kanton Waadt – ein Schweizer Märchen wird wahr

Ein Neuanfang im Freiburgerland

Zwei Dreissiger haben ein historisches Schloss im Kanton Freiburg übernommen und machen daraus ihr familienfreundliches Lebensprojekt. Zwischen Tradition und moderner Unternehmungslust wollen sie das Anwesen behutsam öffnen. Für die junge Familie ist der Kauf mehr als ein Immobiliendeal: Es ist ein Lebenswechsel, mitten in der Schweiz.

Sie unterschrieben Anfang Sommer, zogen mit zwei kleinen Kindern ein und stecken nun ihre Energie in das Anwesen. Die neue Heimat liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf Wiesen und Wälder, fern vom Grossstadtlärm und doch gut an das Mittelland angebunden.

Schloss und Nebengebäude

Zum Ensemble gehören rund 4,5 Hektaren Land, davon ein Waldstück für Spaziergänge. Das historische Hauptgebäude aus dem 17. Jahrhundert ist flankiert von Parkflächen, einer Orangerie und mehreren Nebengebäuden. Eine langgezogene Dependance wird Schritt für Schritt in Gästezimmer umgebaut.

Auffällig ist ein alter Taubenturm, der an die frühere Bedeutung des Guts erinnert. Wer über die Hofmauer tritt, spürt sofort die Mischung aus Romantik und Arbeit, die in solchen Häusern stets mitschwingt.

Vom Stadtleben zum Kulturerbe

Das Paar lebte zuvor in einer Grossstadt und reiste beruflich um die halbe Welt. Irgendwann wuchs der Wunsch nach Entschleunigung und nach einem Ort, an dem sich Familie und Unternehmertum vereinen lassen. Die Schweiz mit ihrer Nähe zu Natur und Kultur passte perfekt zu diesem Plan.

Ihr Herz schlägt für Baukultur und handwerkliche Sorgfalt. «Wir wollen erhalten, nutzen und mit der Öffentlichkeit teilen», sagt die neue Schlossherrin. Der Partner hat eine Renovationsfirma aufgebaut und kann viele Arbeiten in Eigenregie koordinieren.

Preis, Potenzial und Planung

Angeboten wurde das Anwesen einst für rund 2,6 Mio. Franken, gekauft wurde es für einen leicht tieferen Betrag. Entscheidend war nicht nur der Preis, sondern das Potenzial: Das Dach ist intakt, die Fassaden sind saniert, viele grossen Posten sind also abgehakt. Was bleibt, sind Innenausbau, Ausstattung und ein kluges Nutzungskonzept.

«Die Stärke liegt in der Substanz», erklärt der neue Eigentümer. Wo immer möglich, sollen lokale Betriebe eingebunden werden, vom Holzbau bis zur Textilwerkstatt. So bleibt Wertschöpfung in der Region und das Projekt wird nachhaltig verankert.

Betrieb ohne Unterbruch

Schon kurz nach der Übergabe startete der Veranstaltungsbetrieb ohne Pause. Im Fokus stehen private Feiern wie Hochzeiten und Taufen sowie Firmen-Anlässe. Die Räume werden für Seminare mit Technik, Akustik und anpassbaren Layouts aufgerüstet.

Als Ergänzung entsteht Gästeunterkunft mit zuerst zehn Betten in der Dependance. Wer länger bleiben will, kann Wanderwege, regionale Spezialitäten und Ausflüge zu Seen und Städten im Umkreis kombinieren. Das Schloss soll ein Ort werden, der sich über das Jahr entwickelt.

«Es gibt in so einem Haus immer etwas zu tun», sagt die Mitbesitzerin mit einem Lächeln. Der Satz ist Realitätssinn und Liebeserklärung an das Projekt zugleich.

Programm für Publikum

Neben klassischen Rezeptionen sind offene Tage, Führungen und Ateliers geplant. Die Eigentümer orientieren sich am Schweizer Kalender der Europäischen Tage des Denkmals und setzen auf unaufdringliche Vermittlung.

Geplante Bausteine:

  • Geführte Besichtigungen mit Fokus auf Baugeschichte und Handwerk
  • Regionale Produkte aus dem Freiburgerland und aus dem Seeland
  • Kleine Konzerte, Lesungen und Familien-Workshops
  • Ruheinseln im Park mit Yoga oder Achtsamkeits-Formaten
  • Angebote für Unternehmen: Retraiten, Teamtage, kreative Sprints

Schritt für Schritt statt grosser Wurf

Die grössten Investitionen fliessen zuerst in die Säle, weil sie die wichtigsten Ertragsquellen sind. Die Orangerie erhält neue Böden, eine flexible Beleuchtung und eine zeitlose, helle Textur. Stoffbahnen werden lokal genäht, Oberflächen mit natürlichen Materialien erneuert.

Bei allem Tempo bleibt der Blick für Details wach. Flächen werden in Etappen möbliert, damit sich Nutzung und Gestaltung gegenseitig befruchten. Was Anklang findet, wird ausgebaut, was weniger passt, wird angepasst.

Verwurzelt in der Region

Die neuen Besitzer setzen bewusst auf Nähe: kurze Wege, klare Absprachen, verlässliche Partner aus dem Kanton. Kulinarisch spielen Produkte wie Greyerzer AOP, Vully-Weine und saisonales Gemüse eine tragende Rolle. So wird das Schloss zur Bühne für das Terroir und seine Menschen.

Am Ende zählt, dass Geschichte erlebbar wird und zeitgemässe Nutzung die Erhaltung trägt. Mit Geduld, Herzblut und einem realistischen Budget wächst hier ein Ort, der Charme bewahrt und Zukunft möglich macht.

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