In einem Kontext geopolitischer Instabilität und Marktschwankungen erscheint die Abhängigkeit von fossilen Energien als eine gravierende Verwundbarkeit für die europäischen Volkswirtschaften. Unternehmen und Haushalte bleiben den Schwankungen der internationalen Preise und den Risiken von Versorgungsunterbrechungen ausgesetzt. Diese Energieabhängigkeit schwächt sowohl die industrielle Wettbewerbsfähigkeit als auch die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents. Von nun an muss der Energiewandel als Hebel wirtschaftlicher Souveränität verstanden werden. Die Entwicklung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz beschränken sich nicht mehr auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Sie tragen auch zur energetischen Unabhängigkeit und zur Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz bei.
Einige Mächte haben diese strategische Sicht auf den Energiewandel bereits verinnerlicht. Besonders China hat saubere Technologien zu einer Säule seiner Industriepolitik gemacht. Seit mehr als einem Jahrzehnt investiert Peking massiv in erneuerbare Energien, Stromnetze und Speichertechnologien. China ist heute der weltweit führende Hersteller von Solarmodulen, Windkraftanlagen und Batterien für Elektrofahrzeuge. Darüber hinaus dominiert es einen Großteil der Lieferkette der für diese Technologien notwendigen Mineralien, wie Lithium oder Seltene Erden.
Diese Sichtweise wird deutlich im Bericht von Mario Draghi zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Die Energiewende wird dort als Schlüsselhebel zur Stärkung der wirtschaftlichen Souveränität Europas dargestellt. Allerdings könnten die jüngsten regulatorischen Entwicklungen im Rahmen des sogenannten Omnibusprojekts diese Ambition fragil machen. Sie führen unter anderem zu einer Abschwächung der Transparenzanforderungen, die durch die Richtlinie zur Berichterstattung über die Nachhaltigkeit von Unternehmen (CSRD) eingeführt wurden. Ohne diese Daten wird es deutlich schwieriger, Dekarbonisierungspfade zu bewerten und Finanzströme effektiv in Aktivitäten zu lenken, die mit der Energiewende vereinbar sind. Letztere lässt sich nur auf der Grundlage verlässlicher und vergleichbarer Daten effektiv steuern. Transparenz erscheint damit als die erste Stufe der unternehmerischen Verantwortung.
Proxy-Modelle sind nur ein unvollständiger Ersatz. Basierend auf Schätzungen und Annahmen können diese Modelle erhebliche Verzerrungen einführen, branchenspezifische oder individuelle Besonderheiten verbergen und die Vergleichbarkeit der Daten verringern. Eine zu lange Verlässung auf diese Annäherungen gefährdet die Glaubwürdigkeit nachhaltiger Finanzen und verlangsamt das Erreichen der Ziele der Energiewende. Doch Transparenz ist ein wesentliches Instrument zur Steuerung der Energiewende. Die von Unternehmen und Banken veröffentlichten Daten zu ihren Emissionen, ihrem Energieverbrauch, ihren Finanzierungen oder Investitionen in saubere Technologien ermöglichen es Investoren, Behörden und Bürgern, die erzielten Fortschritte zu bewerten.
Eine Strategie zur Reduktion der CO2-Emissionen des Hypothekendarlehensportfolios, die von einer Bank umgesetzt wird, dient in diesem Zusammenhang als gutes Beispiel. Indem sie Kreditvergabebedingungen direkt aus dem bundesrechtlichen Rechtsrahmen ableitet (unter Anwendung der Verordnung zum Klimabericht) und dem Ausführungsreglement zum Energiegesetz, und Transparenz schafft, wie sie im Obligationenrecht über die ergriffenen Maßnahmen verlangt wird, trägt eine Bank auf ihrer Ebene zu den schweizweiten Bemühungen bei, die Energiewende beim Immobilienbestand zu realisieren. Dieser Schritt unterstützt die Entwicklung der energetischen Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft.
Damit erhält die nachhaltige Finanzwirtschaft heute eine neue Erzählung, die politische Gräben zu überwinden vermag. Über die rein ökologische Dimension hinaus wird die Energiewende zu einem Projekt wirtschaftlicher Souveränität und strategischer Resilienz. In diesem Rahmen bleibt Transparenz das erste Fundament der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens.
