Resilienz stärken durch thematische Investitionen

Zwischen geopolitischen Spannungen und Volatilität hat sich das thematische Investieren als zentraler Hebel für die langfristige Resilienz durchgesetzt.

 

Die Dynamik der Finanzmärkte wird heute von zwei großen Kräften geprägt: Zum einen langfristige Wachstumsmotoren wie der Ausbau von Infrastrukturen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz und die Elektrifizierung der Netze; zum anderen eine zunehmende geopolitische Fragmentierung, gekennzeichnet durch sporadische militärische Konflikte. Wenn der Ausgang des Konflikts zwischen dem Iran und den USA an der Seite Israels naturgemäß unvorhersehbar bleibt, scheinen die Märkte eine moderierte Eskalation zu antizipieren, mit der Erwartung, dass sich der Ölpreis moderiert. Die Geschichte mahnt jedoch zur Vorsicht: Frühere US-Einsätze zeigen, dass Phasen militärischer Anfangsoperationen zwar kurz sein können, Konflikte, die politische Ziele verfolgen – wie einen Regimewechsel – selten enden. Sollten die Ölpreise dauerhaft über 100 Dollar je Barrel bleiben, mit Auswirkungen auf Wachstum und Inflation, wird die Priorität darin bestehen, die Widerstandsfähigkeit von Portfolios zu stärken.

Es gilt zu prüfen, ob Portfolios ausreichend in strukturellen Dynamiken verankert sind, die in der Lage sind, diese geopolitischen Schocks aufzufangen. Es geht nicht nur um eine strikte strategische Allokation, um opportunistische taktische Anpassungen und um Absicherungsstrategien. Investoren würden davon profitieren, langfristige Wachstumsthemen zu bevorzugen, um eine nachhaltige Grundlage für die Kapitalwertentwicklung über die Zeit zu schaffen. Unter diesen Themen erscheint die Entwicklung des Ökosystems der künstlichen Intelligenz besonders attraktiv aufgrund der zunehmenden Einführung durch Unternehmen und der andauernden Investitionen in Infrastrukturen. Wenn die Debatte über Fundamentaldaten und Blasen bestehen bleibt, hängt die Performance von KI-bezogenen Werten vor allem von soliden Fundamentaldaten ab.
Der Einsatz der KI basiert auf massiven Investitionsplänen, getragen von großen Technologiekonzernen, insbesondere Hyperscaler (Amazon, Google, Microsoft, Meta usw.). Diese Investitionen durchdringen das gesamte technologische Ökosystem – von Halbleitern bis zu Software – und reichen nun auch in verwandte Sektoren wie Energie, Versorgungsdienstleistungen oder Industrie. Die Ausgaben für KI-Infrastrukturen sollten damit 2026 um 45% steigen und eine jährliche Wachstumsrate von 26% zwischen 2025 und 2030 erreichen (Standard Chartered), was einen Investitionszyklus zeigt, der sich weiterhin beschleunigt und sich allmählich auf die reale Wirtschaft ausbreitet.

In einem Umfeld, das von geopolitischer Unsicherheit und punktuellen exogenen Schocks geprägt ist, ist die Versuchung groß, sich auf die kurzfristigen Risiken zu fokussieren und Portfolios in der Eile umzustrukturieren. 

Dieser Zyklus geht jedoch mit Fragen einher. Die Hyperscaler sind in einen echten „Ausgaben-Wettrennen“ verwickelt und investieren massiv in Rechenzentren, spezialisierte Halbleiter und Cloud-Kapazitäten. Die Investitionsausgaben machen nun fast 20% des Umsatzes aus, gegenüber einem historischen Durchschnitt von etwa 8% (J.P. Morgan), was eine schnelle Verschiebung zu deutlich kapitalintensiveren Modellen verdeutlicht. Wenn diese Dynamiken kurzfristig die Margen belasten, scheint die jüngste Korrektur der Bewertungen sie teilweise zu integrieren, was einen attraktiveren Einstiegszeitpunkt für die am besten positionierten Akteure bietet. Das Risiko einer Verlangsamung der Investitionen in KI kann mittelfristig nicht ausgeschlossen werden, aber ein allumfassender Umkehr des Zyklus scheint zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich. Die Ausgaben bleiben unterstützt und setzen sich fort, sich einer wachsenden Zahl von Akteuren auszudehnen, was die Tiefe und Nachhaltigkeit des Themas stärkt.

Was die Erträge betrifft, bleibt die Technologie – der führende Sektor des US-Aktienmarktes – der wichtigste Treiber des Marktes. Im Jahr 2026 soll sie das stärkste Wachstum im S&P 500 verzeichnen (FactSet), mit einem EPS-Anstieg von 33,5% und einem Umsatzwachstum von 21,5%, deutlich über den Durchschnittswerten des Index (jeweils 15,3% bzw. 8%). Diese Dynamik dürfte sich 2027 fortsetzen, mit einem erwarteten EPS-Wachstum von 23,4%, erneut dem stärksten unter allen Sektoren.

In einem von geopolitischer Unsicherheit und punktuellen exogenen Schocks geprägten Umfeld ist die Versuchung groß, sich auf kurzfristige Risiken zu konzentrieren und Portfolios in der Eile neu zu strukturieren. Doch mittelfristig bis langfristig wird die Performance vor allem von strukturellen Wachstumsdynamiken getragen, an erster Stelle stehen hier künstliche Intelligenz und Elektrifizierung. Daher besteht die Herausforderung nicht darin, Turbulenzen zu vermeiden, sondern widerstandsfähige Portfolios zu konstruieren, die in der Lage sind, diese konjunkturellen Schocks zu absorbieren und gleichzeitig die Kursrichtung beizubehalten.

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