Ein Markt im Aufwind – doch nicht überall
Die französische Immobilienwelt erlebt 2025 einen Aufschwung, mit rund 940’000 Transaktionen und stabilisierten Preisen seit Februar 2024. Hinter dem landesweiten Schnitt von 2’953 CHF pro Quadratmeter stehen jedoch deutliche regionale Unterschiede. Auch im Süden des Landes zeigt sich ein Kontrast, denn selbst im günstigsten Département bleiben gewisse Häuser liegen. Für Interessierte aus der Schweiz eröffnet das Chancen – aber auch Fallstricke.
Lozère: Günstigster Fleck im Süden
In der Lozère, im Nordosten von Okzitanien, liegt der mediane Quadratmeterpreis bei rund 1’287 CHF (Stand 1. August 2025). Das sind etwa 12% weniger als vor einem Jahr, aber 24% mehr als vor fünf Jahren. Am teuersten sind Mende und Bourgs‑sur‑Colagne, mit 1’640 bzw. 1’627 CHF pro Quadratmeter. In Saint‑Chély‑d’Apcher fiel der Medianpreis auf 1’091 CHF – ein Rückgang um 21% in nur einem Jahr. Trotz der niedrigen Niveaus bleibt die Region mit ihrer sehr geringen Bevölkerungsdichte speziell, denn Angebot und Nachfrage folgen eigenen Regeln.
Wenn niedrige Preise nicht reichen
Die FNAIM zählt zwischen Juli 2024 und Juli 2025 insgesamt 997 Verkäufe in der Lozère, ein Plus von 7,4%. Dennoch findet nicht jedes Objekt einen Käufer, selbst bei stark gesenktem Preis. Besonders schwierig sind Stadthäuser ohne Aussenfläche und mit hohem Sanierungsbedarf. Ein lokaler Makler fasst es so zusammen: „Die Lozère ist ländlich, die Demografie schwach. Manche Objekte finden keinen Abnehmer – ganz gleich, zu welchem Preis.“
Warum kaufen Schweizer hier?
Für Käuferinnen und Käufer aus der Schweiz ist die Lozère ein stiller Rückzugsort mit moderaten Temperaturen abseits der heissen Mittelmeerküste. Der Zugang über die A75 erleichtert die Anreise; viele wählen die Kombination aus Bahn bis Nîmes und anschliessender Autofahrt. Besonders gefragt sind bezugsfertige Häuser mit Garten, klaren Betriebskosten und guter Bausubstanz. Ein erfahrener Berater berichtet: „Seit etwa sieben Jahren entdecken Ruheständler die Cévennen neu – sie wollen Ruhe, Kühle und funktionierende Infrastruktur.“
Was sich verkauft – und was liegen bleibt
- Bevorzugt: bezugsfertige Einfamilienhäuser mit Aussenraum und solider Energieeffizienz
- Beliebt: Lagen mit Aussicht, Nähe zu Versorgungszentren, gute Erreichbarkeit
- Schwach: sanierungsintensive Stadthäuser ohne Garten oder Terrasse, problematische Grundrisse
- Kritisch: Objekte mit verborgenem Sanierungsstau, feuchtem Mauerwerk oder vagen Nebenkosten
Preisgefüge im französischen Kontext
Frankreichweit notieren Wohnungen im Schnitt bei rund 3’677 CHF pro Quadratmeter, Häuser bei 2’377 CHF. Der Gesamtdurchschnitt von 2’953 CHF verdeckt die Besonderheiten ländlicher Räume. Die jüngsten Zinssenkungen der EZB entlasten Finanzierungen in Frankreich, was den Markt stabilisiert und teils wieder belebt. Für Schweizer Haushalte sind jedoch vor allem die Hypothekarzinsen der SNB und hiesige Tragbarkeitsschwellen entscheidend.
Chancen und Prüfsteine für Käufer aus der Schweiz
Wer in der Lozère kauft, profitiert von niedrigen Einstiegspreisen und grossen Grundstücken, übernimmt aber auch Verantwortung für Unterhalt und regionale Besonderheiten. Wichtig sind technische Gutachten, klare Offerten für Sanierung und ein realistisch kalkuliertes Budget in CHF. Bei Vermietung als Zweitwohnung sind lokale Regeln, Abgaben und saisonale Nachfrage zu prüfen. Für einen Langfristhorizont sprechen stabile Strukturen, geringe Neubauquoten und ein wachsendes Interesse an naturnahen Regionen.
So prüfen Sie ein konkretes Objekt
- Energiezustand: aktueller Bericht, Dämmung, Heizung, potenzieller CO₂‑Abdruck
- Bausubstanz: Dach, Feuchtigkeit, Tragwerk, Elektrik, Wasser- und Abwasser
- Mikrolage: Entfernung zu Ärzten, Einkauf, Schulen, ÖV, Wintertauglichkeit der Zufahrt
- Kosten: realistische Sanierungsbudgets, Versicherungen, Grundsteuern, laufende Nebenkosten
- Recht: Baubewilligungen, Servitute, Zweitwohnungs- und Vermietungsregeln
Ausblick: Selektiver Markt bleibt selektiv
Selbst wenn das Transaktionsvolumen weiter steigt und Preise tendenziell stabil bleiben, wird der Markt differenziert agieren. Gefragte, gut unterhaltene Objekte verkaufen sich, während Problemfälle ihren Preisnachteil kaum aufholen. Für Schweizer Käuferinnen und Käufer lautet die Devise: gründliche Prüfung, klare Nutzungsperspektive und Disziplin bei der Finanzierung. Dann kann die Lozère mit wenig Einstiegskapital viel Lebensqualität und eine ruhige Zweitbasis im Süden bieten.
