Schock am Zürich HB: Was hat es mit dem riesigen Loch mitten im Bahnhof auf sich?

Zwischen Neugier und Nervosität: Wer in diesen Tagen durch den Bahnhof Lausanne eilt, bleibt vor einem abgesperrten Bereich auf Perron 2 unweigerlich stehen. Dort gähnt ein Loch, umgeben von Gittern, Baumaschinen und Warnschildern. Was aussieht wie ein Baufehler, ist in Wahrheit Teil eines präzise geplanten Modernisierungsprojekts, das den Bahnhof fit für eine barrierefreie Zukunft machen soll.

Warum hier gegraben wird

Hinter der Absperrung entsteht der Schacht für einen neuen Aufzug, der den Zugang vom Unterführungstunnel zum Perron erleichtern wird. Gleichzeitig werden im Untergrund Abdichtungen erneuert, damit künftig weder Feuchtigkeit noch Frost dem Bauwerk zusetzen können. Die Arbeiten erfolgen in einer engen Baugrube, in der sich Teams von Spezialistinnen und Spezialisten auf engstem Raum koordinieren müssen.

Viele Arbeiten laufen in der Nacht – Symbolbild. (©DR / Razel-Bec)

Die SBB bestätigen, dass die Interventionen bewusst in Etappen eingeplant wurden, um den Betrieb so stabil wie möglich zu halten. Ein Sprecher sagt: «Wir arbeiten mit hoher Taktung und klaren Sperrfenstern, damit Reisende trotz Baustelle sicher und zuverlässig ans Ziel kommen.»

Barrierefreiheit wird konkret

Ziel des Projekts ist es, die Zugänge zu den Perrons konsequent nach den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) zu ertüchtigen. Neben dem neuen Lift werden taktile Bodenindikatoren installiert, die Menschen mit Sehbeeinträchtigung Orientierung geben. Ergänzt wird das durch akustische Balisen und ein harmonisiertes Leitsystem, das Wegführung und Sicherheitszonen klarer macht.

Dazu passt die Anpassung der Perronhöhen auf den SBB-Standard von 55 Zentimetern, der das niveaugleiche Ein- und Aussteigen erleichtert. Neue LED-Beleuchtung, verbesserte Beschilderung und zusätzliche Sitzgelegenheiten sorgen für mehr Komfort und bessere Übersicht. Kurz: Das Loch ist kein Ärgernis, sondern ein sichtbares Zeichen für einen Bahnhof, der wirklich für alle funktioniert.

Zeitplan und Nachtarbeiten

Weil die Gleisanlagen stark ausgelastet sind, finden heikle Arbeitsschritte vor allem in der Nacht statt. Damit lassen sich Sperrungen minimieren und Sicherheit für Teams und Reisende gewährleisten. Dass tagsüber «nur» ein Loch zu sehen ist, liegt daran, dass im Hintergrund viel Vorbereitung läuft: Betonierfenster, Materiallogistik, Vermessung und Koordination mit dem laufenden Zugsverkehr.

Die Hauptetappen sollen bis Ende 2025 abgeschlossen sein. In den kommenden Monaten folgen der Einbau der Aufzugskabine, die Fertigstellung der Abdichtung und die Inbetriebnahme der neuen Leit- und Informationssysteme. Bis dahin wird der betroffene Bereich weiterhin abgesperrt bleiben, um die Sicherheit zu garantieren.

Abgesperrter Baustellenbereich – Symbolbild
Hinter Gittern schreitet die Baustelle voran – Symbolbild. (©DR / Razel-Bec)

Was Reisende jetzt wissen sollten

  • Auf Perron 2 kann es zu Engpässen und geänderten Wegführungen kommen. Folgen Sie der Beschilderung.
  • Züge verkehren planmässig; kurzfristige Perronwechsel werden über Lautsprecher und die SBB Mobile App kommuniziert.
  • In Randzeiten und nachts sind einzelne Zugänge temporär gesperrt.
  • Für Reisende mit Mobilitätseinschränkung steht der SBB Reisezugangsservice (Assistance) nach Voranmeldung zur Verfügung.
  • Bitte planen Sie ein paar Minuten Zusatzzeit ein und nutzen Sie die Unterführung nur in den freigegebenen Bereichen.

Finanzierung und Verantwortung

Die Gesamtkosten liegen bei rund 8,6 Millionen Franken, finanziert durch den Bund im Rahmen der Barrierefreiheitsziele, den Kanton Waadt und die SBB. Ein Teil der Mittel stammt aus laufenden Werterhaltungsprogrammen, ein anderer aus gezielten Investitionen in die Kundensicherheit. Die Projektleitung liegt bei SBB Infrastruktur, die Umsetzung bei spezialisierten Generalunternehmen und Subunternehmern, die Erfahrung mit Arbeiten im Bahnbetrieb mitbringen.

Die Investition ist mehr als eine Pflichtübung: Sie zahlt auf einen Bahnhof ein, der täglich Zehntausende Menschen bewegt – Pendlerinnen, Familien, Touristinnen, Seniorinnen, Menschen mit Gepäck oder Kinderwagen. Wer heute das «Loch» sieht, erblickt in Wahrheit den Startpunkt eines Zugangs, der morgen vielen das Reisen erleichtern wird.

Am Ende wird der Bereich nicht nur sicherer, sondern auch übersichtlicher sein: kürzere Wege, klare Signale, ein spürbarer Komfortgewinn. Bis dahin gilt: etwas Geduld, etwas Umsicht – und das Vertrauen, dass hinter Gittern und Staub ein Bahnhof entsteht, der seinem Publikum gerecht wird.

Schreibe einen Kommentar