Schockierend: Nach Häusern und Swimmingpools nehmen Hausbesetzer jetzt auch dieses Ziel ins Visier – darum ist das auch für die Schweiz brandaktuell

Die Debatte um illegale Besetzungen in der Schweiz verlagert sich zunehmend von klassischen Wohnungen und Häusern hin zu weniger geschützten Orten. Immer öfter geraten abgelegene Wälder, private Naturgrundstücke, festgemachte Boote und sogar Schwimmbäder in den Fokus. Für viele Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das neue Risiken, höhere Kosten und einen noch komplizierteren Umgang mit Behörden.

Wie waehlen Besetzer ihre Ziele?

Illegale Besetzungen beschränken sich längst nicht mehr auf leerstehende Ferienwohnungen oder selten genutzte Zweitwohnsitze. Zunehmend attraktiv werden abgeschiedene Orte, an denen sich Gruppen unbeobachtet treffen oder feiern können. Private Grundstücke mit schwieriger Zugangskontrolle sind besonders gefährdet, vor allem ausserhalb urbaner Zonen. Wer mehrere Hektaren Wald besitzt, kann die Fläche kaum rund um die Uhr überwachen. Das nutzen Unbekannte für spontane Camps, Partys mit lauter Musik oder temporäre Unterstände, oft mit sichtbaren Spuren.

In Regionen wie dem Jura oder dem Tessin ist die Versuchung gross, ruhige Waldränder als improvisierte Eventflächen zu missbrauchen. Auf den ersten Blick wirkt der offene Raum harmlos, doch am Ende bleiben Müll, beschädigte Zäune und aufgerissene Wege zurück.

Warum sind Waelder so anziehend?

Das natürliche Alleinsein eines Waldes ist für ungebetene Gäste ein Vorteil. Es gibt wenig Licht, kaum Alarmanlagen und viele unscheinbare Zugänge. Je weiter ein Privatwald von Siedlungen entfernt liegt, desto geringer ist die spontane Kontrolle durch Anwohner oder Forstpersonal. Dadurch steigt das Risiko einer illegalen Nutzung für nächtliche Treffen oder flüchtige Rückzugsorte. In trockenen Sommern wird aus einer Feuerstelle rasch eine ernsthafte Gefahr, weshalb viele Kantone temporäre Feuerverbote aussprechen.

Das macht die Sicherung solcher Flächen komplex: Selbst mit Beschilderung oder Ketten bleibt der räumliche Schutz lückenhaft. Hinzu kommt, dass eine schnelle Intervention nur möglich ist, wenn jemand die Eindringlinge gerade bemerkt.

Schwere Folgen fuer Eigentuemer

Ein privater Waldbesitzer aus dem Kanton Freiburg berichtet von wiederholten Zwischenfällen auf seinen Parzellen. Zurück blieben aufgerissene Schneisen, angekohlte Stämme und demolierte Absperrungen. Allein die Aufräumarbeiten nach einer grösseren Party können mehrere tausend CHF kosten, von Schäden an Biotopen ganz zu schweigen. "Es ist frustrierend, wenn du alles pflegst und am Ende bleiben dir nur Kosten und Papierkrieg", sagt er. Häufig fehlt die lückenlose Beweislage, um bei der Polizei oder im Zivilverfahren sofort durchzugreifen.

Selbst wenn Spuren vorhanden sind, stellt die Identifikation der Verursacher eine heikle Hürde dar. Ohne klare Fotos oder Zeuginnen und Zeugen bleiben Anzeigen oft ohne raschen Effekt.

Welche weiteren Objekte sind betroffen?

Was den Wald trifft, betrifft auch andere Güter. Besonders im Fokus stehen leicht zugängliche Anlagen oder mobile Werte, die selten überwacht werden.

  • Leerstehende Haeuser und kurzzeitig unbewohnte Ferienobjekte
  • Private oder halböffentliche Schwimmbäder in Campingplaetzen
  • Festgemachte Boote an schlecht beleuchteten Stegen
  • Abgelegene Brachflaechen am Rand von Staedten
  • Unverschlossene Schuppen oder saisonale Bauwagen

In Basel beobachten Bootsbesitzer am Rheinhafen immer wieder unerlaubte Zutritte zu Stegen und Decks. Am Genfersee und am Zuerichsee melden Verwalter gelegentlich nächtliche Baden in privaten Becken oder heimliche Feiern am Ufer. Auch Campingplaetze im Wallis berichten von spontanen Gruppen, die nachts in Pools eindringen und Hygieneregeln missachten.

Rechtliche Unterschiede: Haus, Wald oder Boot?

In der Schweiz ist der Schutz des Heims besonders stark. Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs (Art. 186 StGB) greift vor allem bei Wohnungen und klar umfriedeten Räumen. Ein offenes Grundstück oder ein weitläufiger Wald fällt rechtlich nicht immer unter denselben Schutz, was Verfahren erschweren kann. Für Boote mit Wohnzweck kann je nach Nutzung der Heimschutz relevant sein, doch ohne klare Bewohnung wird die Lage diffus. Zivilrechtlich kommt zwar der schnelle Rechtsschutz in klaren Fällen (Art. 257 ZPO) in Betracht, doch ohne belastbare Beweise bleibt der Weg steinig.

Sanktionen gibt es – doch die Praxis hapert

Ohne eindeutige Identitaet der Beteiligten und ohne dokumentierten Zutritt fällt die Durchsetzung oft schwer. In abgelegenen Waeldern sind Belege selten, und die Polizei kann nicht präventiv überall patrouillieren. Zeitliche Verzögerungen erhöhen die Kosten, während sich die Spurenlage rasch verflüchtigt. Daraus entsteht bei Eigentuemerinnen und Eigentümern ein Gefühl der Ohnmacht, obwohl die Normen klar zu ihren Gunsten sprechen.

Was hilft: Praevention und klare Regeln

Damit die Wende gelingt, braucht es eine Mischung aus kluger Praevention und präziseren Verfahren. Eigentümer sollten ihre Hausrechte sichtbar machen, Zufahrten gezielt sichern und lokale Netzwerke aktivieren.

  • Gut sichtbare Hinweise zum Hausrecht und zu Feuerverboten
  • Mechanische Barrieren an Zufahrten und sensiblen Punkten
  • Diskrete, datenschutzkonforme Wildkameras und mobile Beleuchtung
  • Regelmaessige Kontrollen mit Nachbarn oder dem Forstdienst
  • Robuste Schlossanlagen an Stegen, Booten und Schuppen
  • Abdeckungen und Umzaeunungen von privaten Schwimmbaedern

Parallel dazu könnten Kantone standardisierte Abläufe schaffen, um bei klarer Beweislage schneller zu raeumen und die Kosten für Reinigung sowie Schäden konsequent zu verrechnen. Prüfen liesse sich auch, ob der Schutzbereich des Hausfriedens bei regelmässig genutzten Privatflaechen – etwa Waldparzellen mit Infrastruktur – präziser definiert werden kann. Ziel ist ein fairer Ausgleich: Respekt vor privatem Eigentum und wirksame Sanktionen, ohne unverhältnismässige Huerden für Betroffene.

Am Ende bleibt entscheidend: Sichtbare Praesenz, gute Nachbarschaft und eine dokumentierte Schutzstrategie senken das Risiko – und stärken im Ernstfall die eigene Position.

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