Schockierende Zustände in Genf: Gefährlicher Lift, von Autowracks blockierter Parkplatz, tote Ratten – Mieterinnen und Mieter am Ende ihrer Kräfte

Ein Wohnblock am Limit

Im waadtländischen Renens schlagen Mieterinnen und Mieter Alarm. In einem grossen Wohnblock nahe des Bahnhofs ist der Alltag zur Zumutung geworden. Die Bewohner sprechen von Abschottung und Ignoranz seitens der Verwaltung und fordern endlich Sicherheit sowie Respekt.

Ein Aufzug, der Angst macht

Der zentrale Aufzug war über vier Monate ausser Betrieb – von Ende Juni bis Anfang Oktober 2025. Für Familien mit Kinderwagen und für Seniorinnen sowie Senioren bedeutete das tägliche Schmerzen und Erschöpfung beim Treppensteigen. Seit der Wiederinbetriebnahme funktioniert der Lift nur teilweise, und einzelne Etagen werden nicht angefahren.

Mehrere Bewohnende berichten zudem von gefährlichen Rucklern und plötzlichen Stops. «Der Lift ist mir schon um ein bis zwei Stockwerke abgeschmiert, es hat weh getan und richtig Angst gemacht», sagt Angélique Dos Santos, seit über fünfzehn Jahren Mieterin im Haus. «Die Türen schliessen hart, ohne Sicherung – mein Hund wäre beinahe eingeklemmt worden.»

Die Verwaltung verweist auf Lieferengpässe

Die zuständige Verwaltung spricht von anhaltenden Lieferproblemen bei Ersatzteilen und verweist auf einen Trageservice für stark betroffene Bewohner. Für eine Etage wurde der Halt aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt, bis eine Steuerung repariert sei. Ausserdem habe man beim Wartungspartner einen Bericht zur Sicherheit der Anlage eingefordert.

Auf Nachfragen präsentierte die Verwaltung auch Zahlen: Die Reparatur des Lifts koste rund 8’000 CHF, der Trageservice schlage mit etwa 11’000 CHF zu Buche. Viele Mietende empfinden die Tonalität als defensiv und unsensibel, weil ihre tägliche Belastung kaum gewürdigt werde.

Parkplätze blockiert – Autowracks bleiben stehen

Vor dem Gebäude sind die Parkplätze chronisch überfüllt, während mehrere Wracks seit Monaten oder gar Jahren nicht bewegt worden sind. Unter manchen Fahrzeugen wächst Gras, und die Nummernschilder fehlen oder sind abgelaufen. Die Verwaltung verweist auf eine aufwendige Rechtslage: Abschleppen sei nur mit polizeilicher Zustimmung möglich, man stehe mit der Stadtpolizei und einem Epavisten in Kontakt.

Vernachlässigte Allgemeinbereiche

Auch die Gemeinschaftsräume sorgen für Ärger. In den Treppenhäusern wurde zwar gestrichen, aber über Schmutz und Ablagerungen hinweg – die Flecken sind nun eingebrannt. Auf den Stufenkanten fehlt der Antirutschbelag, was für Stürze bei Älteren und Kindern sorgte. In einigen Wohnungen klagen Bewohner über Feuchtigkeit und Schimmel, weil Lüftungen seit langem defekt sind.

Auf den Rasenflächen wurden zudem mehrfach tote Ratten gefunden, teils von der Mähmaschine zerfetzt. «Wir fühlen uns unsichtbar und als Menschen zweiter Klasse», sagt eine Gruppe von Mieterinnen und Mietern. «Die Nebenkosten steigen, aber wir sehen keine Gegenleistung.»

Petition und wachsende Frustration

Aus Frust starteten Mieterinnen und Mieter eine Petition, die an die Verwaltung geschickt wurde. Darin fordern sie Sofortmassnahmen und einen verbindlichen Zeitplan für Reparaturen. Viele berichten von schlaflosen Nächten, weil die Unsicherheit – vom Lift bis zur Hygiene – zur ständigen Belastung geworden ist.

Reaktion: Kontrollen und eine «Schock»-Dératisation

Die Verwaltung kündigt zusätzliche Kontrollen des Lifts und der Elektrik sowie eine intensive Schädlingsbekämpfung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde an. Geplant ist eine verstärkte Dératisation, ergänzt durch regelmässige Behandlungen alle drei Wochen. Bei den Fassaden habe man eine Vergrünung festgestellt, jedoch keine Wassereinträge – ein externer Befund sei in Vorbereitung.

Bewohnende begrüssen die Ankündigungen, zweifeln aber an der Umsetzung und Kontinuität. Ohne klare Fristen und Transparenz bleibe es bei Versprechen, sagen sie – der Druck müsse hoch bleiben.

Was jetzt nötig ist

Die Mieterschaft formuliert konkrete Schritte, die sofort helfen würden:

  • Vollständiger Sicherheitscheck des Aufzugs mit schriftlichem Wartungsprotokoll.
  • Räumung der Autowracks in Absprache mit der Stadtpolizei.
  • Gründliche Grundreinigung der Allgemeinbereiche inklusive Antirutschbelägen.
  • Verbindlicher Sanierungsplan für Lüftungen und feuchte Räume.
  • Transparente Kostenübersicht zu Nebenkosten, Reparaturen und Services.
  • Erreichbare Hotline mit klaren Reaktionszeiten für Störungsmeldungen.

Schweizer Kontext: Rechte nutzen, Lösungen einfordern

In der Schweiz stehen Mietenden starke Instrumente zur Verfügung. Der Mieterverband unterstützt bei der Dokumentation von Mängeln und bei Eingaben an die Schlichtungsbehörde im Mietwesen. Wer gravierende Mängel belegen kann, darf unter Umständen Mietzins hinterlegen – allerdings nur nach korrektem Verfahren und mit Fristen.

Langfristig braucht es neben der akuten Instandsetzung auch ein Monitoring der Gebäudetechnik, damit Ausfälle nicht erst im Notfall auffallen. Ein verbindlicher Wartungsplan, saubere Kommunikation und echte Partizipation der Mieterschaft würden aus einer Krisenadresse wieder ein zuhause machen – sicher, sauber und würdevoll.

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