Schweiz: Die Inflationsabschwächung setzt sich durch

Nach einer nahezu Nullinflation im Jahr 2025 dürfte der Teuerungsanstieg im Jahr 2026 leicht auf rund 0,2% steigen, ein Niveau, das der Projektion der Schweizerischen Nationalbank nahekommt.

Die Schweiz entwickelt sich weiterhin in einem nahezu strukturell stabilen Preisregime, deutlich verschieden von dem der großen Volkswirtschaften. Im Januar 2026 ist der Verbraucherpreisindex im Monatsvergleich um -0,1% gefallen und verzeichnet lediglich eine Zunahme von +0,1% gegenüber dem Vorjahr. Diese Dynamik bestätigt, dass die Phase der Desinflation nun fest etabliert ist. Der Hauptfaktor, der die Erklärung liefert, bleibt die importierte Inflation, deren Beitrag deutlich negativ ist: Die Preise für importierte Güter sinken gegenüber dem Vorjahr um -1,5%, infolge einer strukturell starken Franken, der nachhaltigen Normalisierung der Energiepreise und einer weltweit noch moderaten Nachfrage. Umgekehrt steigen die inländischen Preise moderat (+0,5% gegenüber dem Vorjahr) und die unterliegende Inflation bleibt bei +0,5%, ein klarer Hinweis darauf, dass es keine allgemeinen Inflationsdrucke gibt. Ohne den Beitrag der Mieten wäre die schweizerische Inflation sogar negativ, bei rund -0,3% im Jahresvergleich, was die stark zielgerichtete Natur der aktuellen Spannungen verdeutlicht.

In diesem Umfeld niedriger Gesamtinflation bilden Mieten weiterhin den Hauptspannungsherd. Sie steigen erneut um +1,6% im Jahresvergleich, ein Tempo, das deutlich höher ist als die Gesamtinflation, und spiegelt die anhaltenden Ungleichgewichte auf dem Wohnungsmarkt, die Knappheit des Angebots und die Trägheit im Zusammenhang mit den früheren Anpassungen der Hypothekenzinsen wider. Die Dynamik der Dienstleistungen bleibt hingegen moderat (+0,9% im Jahresvergleich), während Güter weiterhin eine desinflationäre Rolle spielen (-1,3%). Ein strukturelles Element verdient besondere Aufmerksamkeit: die Zusammensetzung des Konsumpakets. Der Anteil des Postens Gesundheitsausgaben stieg von rund 15% auf über 17% zwischen 2025 und 2026, was dem demografischen Alterungsprozess und dem Anstieg der Langzeitpflege entspricht. Diese Entwicklung stärkt den inländischen, wenig zyklischen und wenig inflationsgefährdeten Charakter der Schweizer Wirtschaft.

Die Aussichten für 2026 bestätigen dieses Normalisierungsszenario ohne Beschleunigung. Nach einer nahezu Nullinflation im Jahr 2025 dürfte der Teuerungsanstieg im Jahr 2026 leicht auf rund 0,2% steigen, ein Niveau, das der Projektion der Schweizerischen Nationalbank nahekommt. Diese Zunahme würde weitgehend auf die Mieten und auf bestimmte häusliche Dienstleistungen zurückzuführen sein, in einem Umfeld eines erwarteten BIP-Wachstums von rund 1,2% ohne Sondereffekte. Die importierte Desinflation dürfte hingegen anhalten. Seit Jahresbeginn hat sich der Franken gegenüber dem Dollar um knapp 3% aufgewertet. Angesichts eines Wechselkurstransmissionsgrades zur Inflation von etwa 30% würde eine Aufwertung des CHF um 10% historisch gesehen fast einen Prozentpunkt der Inflation über einen Zeitraum von zwölf Monaten reduzieren. Die verzögerten Effekte der Dollar-Schwäche werden daher bis zum ersten Halbjahr 2026 die Preise weiter belasten. In diesem Kontext erscheint die Strategie der SNB eher von Disziplin geprägt als von Untätigkeit: Die Geldpolitik im Status quo bildet bereits eine implizite Stütze für die Wirtschaft. Eine erneute Senkung des Leitzinses erscheint kurzfristig unwahrscheinlich, solange die Inflationserwartungen fest in der Zone der Preisstabilität verankert bleiben, wie Martin Schlegel kürzlich betont hat.

Die anhaltende Stärke des Schweizer Franken stellt hingegen eine zunehmende Herausforderung für die exportorientierte Industrie dar. Die jüngste Abwertung des Dollars hat den Margendruck verstärkt, insbesondere für Unternehmen mit Exporten in die USA oder Abrechnung in USD. Dieser Wechselkursschock wirkt konjunkturhemmend auf einige Industriensparten, widerspricht aber nicht den Fundamenten des Schweizer Modells. Historisch hat die Schweizer Industrie eine hohe Anpassungsfähigkeit durch Hochwertigkeit, Produktivitätssteigerung und Spezialisierung auf Nischen mit hohem Mehrwert gezeigt. Mittelfristig wird der Frankenpfad weitgehend von Zinsdifferenzen und auswärtigen geldpolitischen Strategien bestimmt, in einem Umfeld, in dem weitere Zinssenkungen in der Eurozone und in den USA plausibel bleiben. Trotz punktueller Interventionen der SNB, um die Aufwertung zu glätten, behält der Franken eine strukturell steigende Tendenz. Für Investoren bleibt dieses makroökonomische Umfeld kohärent: geringe Inflation, starke Währung und vorhersehbare geldpolitische Maßnahmen tragen weiterhin dazu bei, die Schweiz in einer fragmentierten Welt zu einem Anker der Stabilität zu machen, selbst wenn zyklische Anpassungen das industrielle Gewebe belasten.

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