Spektakulärer Fund in der Schweiz: So haben sie es aufgespürt – und so viel haben sie dafür bezahlt

Seit Beginn dieses Sommers sind die beiden Dreissigjaehrigen Damien Verhaegen und Thomas Garneau die neuen Besitzer eines historischen Schlosses im Kanton Waadt, wenige Kilometer von Yverdon-les-Bains entfernt. Die Wahl-Schweizer aus Kanada haben sich auf ein mutiges Abenteuer eingelassen: Ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert zu renovieren und es in einen eleganten Ort fuer Feiern zu verwandeln. In der Szene der Urbex-Fans traegt das Haus bereits einen Spitznamen: «Schloss Poseidon» – wegen einer markanten Skulptur des griechischen Meeresgottes** am Fuss der monumentalen Treppe.

Ein Kindheitstraum in der Romandie

Damien, in Paris geboren und als Kind nach Montreal gezogen, traegt diesen Traum seit Jahren mit sich. «Ich habe als Junge die Loire-Schloesser besucht; die Magie dieser Orte hat mich nie losgelassen»», sagt er. Mit seinem Partner Thomas hat er nun rund 480’000 Franken investiert – fuer etwa 780 Quadratmeter Geschichte in Neorenaissance-Architektur, mit feinen Stuckaturen, bunten Vitraux, einer gewoelbten Kelleranlage und sogar einer kleinen Kapelle. Das Startbudget stammt groesstenteils aus klugem Handeln: mehrere Kauf-und-Verkauf-Operationen von Wohnungen in Kanada brachten die noetige Eigenmittel**.

So haben sie das Schloss gefunden

Gefunden haben die beiden das Anwesen auf Pinterest, in der Kategorie «verlassene Schloesser»». Eine engagierte Maklerin in der Romandie wurde zur Schluesselperson der Suche. Die Voreigentuemer – ein aelteres, deutsches Paar – hatten einst grosse Plaene: Golfplatz, Luxushotel, alles im Pakete. Als der Finanzpartner absprang, blieb nur ein halbherzig gepflegter Park und ein Projekt in Warteschleife**.

  • Recherche über «abandoned castles» auf Pinterest
  • Kontaktaufnahme zu einer lokalen Maklerin im Kanton Waadt
  • Aufspüren der deutschen Voreigentuemer
  • Gutachten und Diagnosen klaeren
  • Acht Monate Verhandlung, dann der Kauf

«Zwischen der ersten Besichtigung im Oktober 2024 und der Unterschrift vergingen acht Monate – eine Geduldsprobe, aber es hat sich gelohnt»», erzaehlt Damien. In dieser Zeit wurden saemtliche Gutachten erstellt, Unterlagen bereinigt und die Finanzierung mit einer Schweizer Bank gesichert**.

Substanz stark, Details muessen warten

Obwohl das Haus rund 40 Jahre vernachlaessigt und teils ausgeraubt wurde (Leuchten, Kaminfronten, Beschlaege), ist die Struktur erstaunlich gesund. Dach und Gebaeudegeruest sind stabil, die grossen Kostenpunkte liegen in Elektrik, Sanitaer und Holzarbeiten. Wuerden sie alles an Profis vergeben, schaetzt das Paar die Rechnung auf etwa 1,5 Millionen Franken. Doch die beiden wollen moeglichst viel selbst machen – Ziel ist ein Gesamtbudget von unter 500’000 Franken fuer die Kernerneuerung.

Thomas hat dafuer seine kanadische Versicherungsfirma (mit rund 400 Mitarbeitenden) verlassen, um voll ins Projekt einzusteigen. Damien arbeitet weiter im Luxus-Secondhand-Bereich für eine internationale Firma und pendelt monatlich nach Paris – in seiner Freizeit kuratiert er Moebel, ordnet Räume und verantwortet das Interior.

Ein Plan in Etappen – mit Blick auf 2027

Unterstuetzt werden die beiden von einem Handwerker, der bereits drei Schloesser renoviert hat, sowie von unzaehligen YouTube-Tutorials. Der Fahrplan ist klar strukturiert: Zuerst die Waechterhaus-Dependance, die als zweizeitiges Gaestehaus dienen soll. Danach folgt das Hauptgebaeude und der Garten, zum Schluss eine Turmstruktur aus dem 16. Jahrhundert, die sich als aussergewoehnlicher Gite anbietet.

Mittelfristig sind sechs Suiten im ersten Stock geplant, das Privatapartment des Paars im zweiten. Das Ziel bleibt ambitioniert, aber konkret: Bereits im Sommer 2027 moechten sie das erste Hochzeitspaar im Schloss begrüssen. Der groessere Kontext stimmt: Die Nachfrage nach aussergewoehnlichen Locations nimmt in der Schweiz seit Jahren zu, besonders zwischen Genf und Zuerich.

Lokale Verankerung und offene Tueren

Damit das Projekt tragfaehig wird, setzen die beiden auf Netzwerk und Community. Auf YouTube und Instagram dokumentieren sie den Fortschritt, gleichzeitig suchen sie die Nähe zu Schulen und Gewerken. Eine regionale Mauerschule wurde bereits kontaktiert, um Lernenden ein Lebensprojekt zu bieten, das wirklich lebt. Die Einwohner der umliegenden Gemeinden teilen alte Erinnerungen, helfen mit Kontakten und gelegentlich mit Material.

Diese Offenheit ist kein Zufall. Die beiden Kanadier verbinden Pragmatismus mit Herzblut – eine Mischung, die in der Schweizer Restaurationskultur gut ankommt. Aus einem verlassenen Anwesen wird Schritt für Schritt ein Ort, an dem neue Geschichten entstehen: Verlobungen, Feste, Musik im Sommer, vielleicht ein Weihnachtsmarkt im Winter.

«Wir wollen keinen Disney-Traum, sondern ein Haus, das wieder atmet, Menschen aufnimmt und sich gleichzeitig seinem Erbe verpflichtet fühlt»», sagt Thomas. Genau dieser Balanceakt – zwischen Denkmalpflege und moderner Nutzung – dürfte entscheiden, ob Schloss Poseidon zu einem stillen Juwel der Romandie oder zu einem neuen Leuchtturm für Eventkultur in der Schweiz** wird.

Am Ende bleibt vor allem eines: viel Arbeit, viel Geduld – und die Gewissheit, dass ein Kindheitstraum mit einem Klick auf Pinterest beginnen und in der Romandie ein dauerhaftes Zuhause finden kann.

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