Swatch unter Druck durch Herabstufung aus dem SLI

Die Schweizer Uhrenmarke wird durch die Helvetia Baloise Holding ersetzt. Die Analyse dieses Rückzugs von Jean Meneveau, Gründer von Colombus Consulting Suisse.

 

Die Nachricht kam Anfang November: Der Hersteller der Uhren Omega, Tissot und Longines wird ab dem 22. Dezember durch die Helvetia Baloise Holding im Korb des SLI ersetzt, der aus 30 Unternehmen besteht. Vier Jahre nachdem er bereits aus dem SMI ausgeschlossen worden war, setzt die Swatch Group damit ihren Abstieg fort. Börsenmäßig macht die Entwicklung eindeutig keinen Traum: In zwei Jahren hat der Titel die Hälfte seines Wertes verloren, und die jüngsten Halbjahresergebnisse (Rückgang des Umsatzes um 7,1%) konnten die Sorgen der Märkte nicht lindern.

Die Swatch-Gruppe ist jedoch nicht der einzige Akteur, der 2025 zu kämpfen hatte. Die gesamte Branche steht unter Druck. „Die Schweizer Uhrenindustrie sah sich im ersten Halbjahr mit sehr kontrastierenden Dynamiken und einem ungewöhnlich hohen Maß an Unsicherheit konfrontiert. Bedeutende Absatzmärkte wurden durch ungünstigere wirtschaftliche Bedingungen oder restriktive politische Maßnahmen beeinträchtigt“, erklärte im Juli der Verband der Schweizer Uhrenindustrie.

Der Gründer von Colombus Consulting Suisse, Jean Meneveau, kehrt zu den Umwälzungen zurück, die einen der wichtigsten Exportsektoren der Schweiz treffen. Interview.

Nach dem Austritt aus dem SMI im Jahr 2021 wird Swatch im Dezember aus dem SLI degradiert. Wie wurde diese Neuigkeit von den Märkten aufgenommen?

Diese Herabstufung ist vor allem die mechanische und mathematische Folge der Weiterentwicklung der von Indizes gesetzten Kriterien. Diese, wie der SLI, beruhen hauptsächlich auf zwei Anforderungen: Börsenkapitalisierung und Liquidität – also das Handelsvolumen der Aktien.
Seit dem Ausschluss aus dem SMI im Jahr 2021 hat sich der Aktienkurs der Swatch Group ungünstig entwickelt. Die Marktkapitalisierung fiel auf etwa 8,66 Milliarden Schweizer Franken, und das Handelsvolumen zeigte Anzeichen von Schwäche. Die SIX Swiss Exchange wendet diese Regeln ohne Zögern an: Wenn eine Aktie die geforderten Schwellenwerte nicht mehr erfüllt, wird sie durch eine andere, dynamischere ersetzt. In diesem Sinne geht es eher um die Bestätigung eines strukturellen Rückgangs als um einen plötzlichen Schock. Die Neuigkeit war den Märkten ohnehin weitgehend eingepreist, angesichts der jüngsten Entwicklung der finanziellen Leistung und der Börsenentwicklung der Swatch-Gruppe.

Welche könnten die Folgen einer solchen Herabstufung für die Aktie des Uhrenkonzerns kurz-, mittel- und langfristig haben?

Die Abwertung des SLI könnte je nach zeitlicher Perspektive mehrere Folgen haben. Kurzfristig könnte der durch den SLI-Tracking ETF und andere Tracker verursachte Verkaufsdruck die Abwärtsbewegung von Swatch weiter verschärfen. Mittelfristig könnte ein Verlust der Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren und Analysten spürbar werden, was das Interesse passiver Anleger verringern und zusätzlichen Druck auf den Kurs ausüben würde. Langfristig sind die Folgen eher schwer vorherzusagen. Das Wesentliche wird davon abhängen, ob der Schweizer Konzern seine Strategie anpassen und das Vertrauen des Marktes wiederherstellen kann, um die Abwärtstrend umzukehren. Die Zukunft bleibt also abzuwarten.

In zwei Jahren hat der Swatch-Aktienkurs die Hälfte verloren. Warum eine solche Talfahrt?

Mehrere Faktoren erklären diesen markanten Absturz:

  • Rückgang der Nachfrage auf Schlüsselmarkt, insbesondere in China und Südostasien, wo die Verkäufe stark zurückgegangen sind. Der chinesische Markt, lange Motor des Wachstums der Schweizer Uhrenbranche, spielt diese Rolle nicht mehr, was die gesamte Branche schwächt.
  • Eine signifikante Verschlechterung der Finanzergebnisse: Im Jahr 2024 sank das operative Ergebnis von Swatch um rund 75%.
  • Ein ungünstiges makroökonomisches Umfeld, geprägt von Inflation, globaler Konjunkturabkühlung und sinkender Kaufkraft. Diese Faktoren belasten Luxusgüter – oder entsprechende – sowie diskretionäre Güter wie Uhren.
  • Zunehmende geopolitische und handelspolitische Risiken, seien es internationale Spannungen, Währungsschwankungen oder Handelsbarrieren, insbesondere in den USA. Die Exporte sind ein wesentlicher Pfeiler für Swatch und die gesamte Schweizer Uhrenindustrie, diese Hürden verstärken den Druck.
  • Schließlich, aus qualitativer Sicht, eine gewisse Enthusiasmuslosigkeit der Analysten gegenüber der aktuellen Strategie des Konzerns: Es bleiben Fragen zu Governance, strategischer Sichtbarkeit oder der Positionierung der renommierten Marken wie Breguet oder Blancpain, die besonders von der Nachfrageabsenkung in China betroffen sind.

Wie präsentiert sich der Schweizer Uhrensektor insgesamt zu Ende des Jahres 2025?

Die Schweizer Uhrenbranche durchläuft aufgrund mehrerer Gründe eine besonders schwierige Phase. Die Uhrenexporte sanken zuletzt erneut (−4,4 % im Oktober 2025), insbesondere belastet durch den Einbruch der Verkäufe in den USA. Die US-Zölle – von 39 % seit August im Rahmen der Handelsspannungen, bevor sie schließlich auf 15 % reduziert wurden – haben die Branche deutlich beeinträchtigt.

Der aktuelle makroökonomische Kontext, gekennzeichnet durch einen starken Schweizer Franken, anhaltende Inflation und einen Rückgang der Nachfrage nach Luxusgütern, belastet ebenfalls die Gesamtleistung der Branche, insbesondere die Uhrenindustrie. Darüber hinaus verzeichnet der Markt für gebrauchte Uhren ein starkes Wachstum, vor allem getrieben von den jüngeren Generationen. Diese Dynamik verändert die Art und Weise, wie Uhren konsumiert werden, mit größerem Fokus auf Erschwinglichkeit, Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit der Uhren.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Schweizer Uhrenindustrie zwar als eines der „Opfer“ der US-Zölle angesehen werden kann, sich jedoch auch in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet: Weiterentwicklung der Vertriebswege, Ausbau des Sekundärmarktes, Neupositionierung zu neuen Kundengruppen usw.

Die Börsenlage von Richemont und LVMH wirkt genauso angespannt wie die von Swatch… Liegt es an denselben Gründen?

Die Gruppen Richemont und LVMH leiden ebenfalls stark. Ihre Schwierigkeiten beruhen auf ähnlichen Faktoren: Rückgang der Nachfrage, ungünstiges makroökonomisches Umfeld, Rückgang der Exporte – insbesondere in die USA und nach Asien – und zunehmende Unsicherheit.
Ihr Markenportfolio, stärker auf das oberste Preissegment ausgerichtet, ist jedoch besser positioniert als Swatch, um der aktuellen Krise zu widerstehen. Einige Häuser der Richemont-Gruppe (Cartier, Vacheron Constantin, A. Lange & Söhne, Jaeger-LeCoultre, Piaget) sowie von LVMH (Bulgari, Hublot, Zenith, Louis Vuitton) setzen auf eine Aufwertung des Markenportfolios, insbesondere durch limitierte oder spektakuläre Serien. Sie setzen auf ultra-luxuriöse oder sehr hochwertige Uhren zugunsten der Modelle im mittleren Segment, und bevorzugen Segmente mit hoher Marge und geringem Volumen.

In Krisenzeiten suchen Käufer nach Wert, Status und manchmal dem Wiederverkaufspotenzial. Das kommt den prestigeträchtigsten Häusern zugute, aber auch dem Gebrauchtuhrenmarkt.

Angesichts von Smartphones und anderen vernetzten Geräten erscheint Ihnen die Uhr als Objekt mittelfristig bedroht?

Der Verkauf vernetzter Geräte wie der Apple Watch – und allgemein der Konkurrenz durch tragbare Elektronik – verringert natürlich die Attraktivität der klassischen Uhr für bestimmte Verbrauchergruppen, insbesondere jüngere Generationen. Es handelt sich um einen echten Substitutionsschock: Für viele genügt eine vernetzte Uhr vollkommen, was das traditionelle Modell basierend auf Luxus und mechanischer oder Quarzuhren schwächt. In einem ohnehin angeschlagenen Uhrenmarkt verstärkt diese Entwicklung natürlich den Druck.

Wenn man nun den Aufstieg der vernetzten Ringe betrachtet, werden diese teilweise mit den Smartwatches konkurrieren, insbesondere bei der Gesundheits- und Fitnessüberwachung. Der Markt könnte ein neues Gleichgewicht zwischen diesen verschiedenen Objekten finden. Die Verschiebungen zwischen den Kategorien – vernetzte Objekte und mechanische Uhren – werden sich daher weiterentwickeln, je nach Nutzungen und kommenden Innovationen auf dem Markt.

Doch die mechanische Uhr, und noch mehr die Luxusuhr, behält nach wie vor eine starke Anziehungskraft durch ihre ikonischen Modelle. Ein großer Teil der Kundschaft bleibt dem Schweizer Handwerk, dem Prestige, dem Erbe und der Kunst der Uhrmacherei verbunden: ebenso viele Dimensionen, die vernetzte Objekte nicht ersetzen können. Es obliegt nun den Uhrenhäusern, die Markterwartungen gut zu interpretieren, insbesondere durch die Ansprache der jüngeren Generationen, zwischen limitierten Editionen, die sich weiterhin gut verkaufen, und einem stark wachsenden Gebrauchtmarkt.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Kontexts, welche Aussichten haben die Schweizer Uhrenmarken im Luxussegment und mit internationalem Erfolg?

Wenn sich das makroökonomische Umfeld verbessern würde, könnte der gesamte Sektor wieder an Schwung gewinnen, auch wenn mehrere Transformationen notwendig bleiben: verstärkte Digitalisierung, geografische Diversifizierung, Anpassung an neue Generationen und Eingliederung des Gebrauchtuhrenmarkts.

Der Lage ist jedoch je nach Uhrenhaus nicht homogen. Im Segment der Haute Horlogerie sind die Marken in der Regel besser positioniert. Seltenheit, Qualität, Erbe und die starke Schweizer Identität bleiben wichtige Stärken für eine Kundschaft, die Luxus, Status und werthaltiges Erbe sucht.

Umgekehrt erscheinen Marken, die in den Segmenten „Volumen“ oder „Mittelklasse“ operieren, anfälliger. Die Häuser des Prestiges oder Ultra-Luxus haben jedoch bessere Chancen, sich in der Krise zu behaupten, vorausgesetzt, sie bewahren ihre Exklusivität, pflegen ihr Image und managen die Knappheit.

Wäre dies nicht außerdem eine gute Gelegenheit, sich auf diese Titel zu positionieren?

Wie immer müssen vor einer Investition zwei Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen die Fundamentaldaten der Uhrenbranche, zum anderen die Trends sowie das Vertrauen am Aktienmarkt.

In jedem Fall handelt es sich um eine Wette, eher geeignet für eine mittel- bis langfristige Perspektive als für eine kurzfristige Strategie. Die Herabstufung von Swatch im SLI und der Kursrückgang spiegeln einen Vertrauensverlust wider, zeigen aber auch ein Revalorisierungspotenzial, falls sich die Konjunktur verbessert oder die Gruppe die notwendigen Maßnahmen ergreift, um die Lage zu stabilisieren.

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