Unglaublich, aber wahr: Dieser Student lebte 7 Monate lang auf dem Campus – ohne auch nur einen Rappen Miete zu zahlen

Sieben Monate im Camper: Studieren ohne Miete in Lausanne

Der Wohnungsmarkt in Lausanne ist seit Jahren angespannt. Für Luca (Name geändert) wurde die Suche nach einem Zimmer zum Albtraum, als er im Herbst 2024 an der UNIL zu studieren begann. Nach dutzenden Anfragen und kaum echten Besichtigungen griff er zu einer unkonventionellen Lösung: Er zog in den Campingbus seiner Eltern und parkte ihn auf einem Campusparkplatz.

Was als Übergang gedacht war, wurde zu einem Experiment, das ihn sieben Monate lang begleitete. „Ich wusste, dass es schwierig wird, aber nicht, dass es so extrem ist“, sagt der Geschichtsstudent. Die Wartelisten der FMEL, der grossen Studierendenwohnheime im Kanton Waadt, waren zu lang, und private Studios starteten oft bei über 1’000 CHF.

Alltag zwischen Bibliothek, Fitness und Parkplatz

Im September zog Luca in den Camper ein und organisierte sein Leben um die Infrastruktur der Uni herum. „Der grösste Vorteil war die Nähe: Wenn der Kurs um 8 Uhr begann, konnte ich um 7.30 aufstehen“, erzählt er. Für Duschen nutzte er das Uni-Fitness, um den Wassertank zu schonen, und für die Toilette sowie das Geschirr die Gebäude auf dem Campus.

Strom blieb die kniffligste Frage, denn eine offizielle Steckdose gab es am Parkplatz nicht. Also lud er Handy, Laptop und Lampe in der Bibliothek, wo er ohnehin viel Zeit verbrachte. War es dringend, diente der Zigarettenanzünder als Notlösung, was aber den Motorlauf erforderte. „Das ist nicht besonders ökologisch“, räumt er ein. Ein Dozent schenkte ihm später ein kleines Solarladegerät, das die Abende deutlich entspannter machte.

Kosten, Recht und die heikle Grauzone

Finanziell war die Entscheidung radikal – und effektiv. „Ich zahlte nur Treibstoff, im Schnitt etwa 160 CHF pro Monat“, sagt Luca. Sein Bus stand weitgehend still, und Essen kochte er kalt oder gönnte sich gelegentlich die Mensa. Verglichen mit einer WG für 750–900 CHF oder einem Studio ab 1’050 CHF sparte er mehrere hundert Franken monatlich.

Rechtlich bewegte er sich in einer Grauzone. Wildes Campieren ist in der Schweiz kantonal geregelt und oft auf öffentlichem Grund untersagt, besonders im Siedlungsgebiet. Auf Privatarealen gelten die Hausregeln – und ob ein Campusparkplatz als Übernachtungsort akzeptiert wird, entscheiden Hochschule und Gemeinde. „Ich hielt mich an die Platzordnung und blieb unauffällig“, sagt Luca. Dennoch riskieren ähnliche Setups Ermahnungen, Wegweisungen oder Bussen durch die Stadtpolizei.

Kleine Fluchten und grosse Erleichterung

Um hin und wieder durchzuatmen, fuhr Luca an manchen Wochenenden zu seinen Eltern im Kanton Freiburg. „Dort konnte ich lange duschen, den Bus gründlich reinigen und Vorräte auffüllen“, erzählt er. Diese kurzen Pausen halfen, den minimalistischen Alltag im Camper mental zu tragen.

Trotz der Einschränkungen zog er eine positive Bilanz. „Man lernt, mit wenig auszukommen und die eigenen Prioritäten zu sortieren“, sagt er. Die Nähe zum Hörsaal, weniger Pendelstress und ein starkes Zeitmanagement wurden zu ungeplanten Vorteilen.

Ein Schritt zurück in die Normalität

Im März 2025 ergab sich endlich eine Chance. Ein Freund ging ins Praktikum und bot ihm sein Zimmer in einer Wohngemeinschaft nahe der Uni an. Luca gab den Camper an seine Eltern zurück und zog in das Zimmer ein – mit echter Matratze und eigener Dusche. „Diese Normalität hat sich unglaublich gut angefühlt“, sagt er.

Im Sommer fand er schliesslich ein kleines Studio im privaten Markt, zehn Minuten von der Fakultät entfernt. Der Mietzins: 1’050 CHF pro Monat, zuzüglich Nebenkosten. Das ist in Lausanne kein Schnäppchen, aber für ihn nach sieben Monaten Improvisation ein fairer Kompromiss.

„Ich dachte, es sei nur eine Übergangslösung – am Ende hat sie mir Zeit, Geld und vor allem Nerven gespart“, sagt Luca. „Aber ich würde es nur empfehlen, wenn man die Regeln kennt und auf die eigene Gesundheit achtet.“

Was andere Studierende daraus mitnehmen können

  • Frühzeitig bei der FMEL und anderen Wohnheimen anmelden; Wartelisten bewegen sich oft nur in kleinen Schritten.
  • Zwischenmiete und Uniaushänge systematisch prüfen; viele Zimmer werden kurzfristig und ohne grosse Portale vergeben.
  • Genossenschaftliche Wohnungen und studentische Vereine im Blick behalten; sie bieten teils faire Konditionen.
  • Eine Kautionsversicherung kann die Liquidität schonen, wenn drei Monatsmieten Kaution gefordert werden.
  • Bei Notlösungen immer die Regeln klären: Campusordnung, kommunale Vorschriften und kantonale Bestimmungen.

Luca hat bewiesen, dass man mit Kreativität und Disziplin auch in einer Stadt wie Lausanne ohne Miete auskommen kann – zumindest temporär. Doch sein Fazit bleibt nüchtern: Die strukturelle Wohnungsnot lässt sich nicht im Alleingang lösen, und jeder improvisierte Weg hat seine Grenzen.

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