Nach einem Jahr 2025, das von Sorgen über die „Slowflation“ geprägt war, hellt sich der Horizont in den Vereinigten Staaten deutlich auf. Tatsächlich scheint die US-Wirtschaft das Jahr 2026 mit einer ungewöhnlichen Beschleunigungsphase zu beginnen, in der sich die Wachstumsmotoren vervielfachen. Wenn man dem Bloomberg-Konsens Glauben schenkt, dürfte das reale BIP-Wachstum im Jahr 2026 +2,1% erreichen, was uns sogar eher als konservativ erscheint.
Ein großer, schöner Wachstumstreiber
Zu den stärksten Unterstützungsmotoren gehört das groß angelegte Steuerprogramm namens „One Big Beautiful Bill“, das darauf abzielt, den Konsum der Haushalte und die Investitionen der Unternehmen deutlich anzukurbeln. Dieser Gesetzentwurf sieht unter anderem Steuererleichterungen und Abzüge vor, die die Verbrauchsausgaben stimulieren, Unternehmen dazu anregen sollen, Investitionen zu beschleunigen, und den Arbeitsmarkt attraktiver machen. Parallel dazu würde die Senkung der gesamten Steuerbelastung der Haushalte die Kaufkraft erhöhen, die sich dann in die Realwirtschaft einbringen kann.
Wenn Tauben die Falken schlagen
In diesem Umfeld der fiskalischen Belebung plant auch die US-Notenbank Fed, ihre Geldpolitik zu lockern. Während die Inflation derzeit als beherrschbar erscheint, erwarten die Märkte eine schrittweise Senkung der Leitzinsen im Jahr 2026. Durch die Verringerung der Kreditkosten für Unternehmen und Haushalte würde dies die Wachstumsdynamik weiter verstärken und auch Investitionen in innovativen Sektoren erleichtern, insbesondere in Technologien im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.
Ein echter künstlicher Motor
Genau, KI wird 2026 zu einem weiteren Schlüssel-Motor der amerikanischen Wirtschaft. Die Ausgaben für digitale Infrastruktur – insbesondere Rechenzentren, die fortschrittlichsten Chips und KI-Software – wachsen nach wie vor mit schnellem Tempo. Diese Welle technologischer Investitionen geht einher mit einem Boom bei den Aktien von KI-bezogenen Unternehmen und schafft so einen Vermögenseffekt für Privathaushalte, die über Aktienportfolios verfügen.
Relativ Ruhe nach dem Sturm
Hinzu kommt eine Normalisierung des geopolitischen Klimas. Die Beruhigung der Spannungen im Zusammenhang mit dem Handelskrieg – insbesondere zwischen den USA und China – verringert die Unsicherheit für Exportunternehmen deutlich und verbessert die Vorhersehbarkeit der Lieferketten, wodurch bessere Bedingungen für das Geschäftswachstum geschaffen werden.
Die Abwertung des Greenbacks beflügelt die Exporte
Ein weiterer positiver Faktor ist die Abwertung des US-Dollars gegenüber den wichtigsten Weltwährungen. Sie verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporte und zieht mehr ausländische Touristen an. Gleichzeitig erhöht die Abwertung des Dollars automatisch die Gewinne amerikanischer multinationaler Konzerne, deren Umsatz größtenteils außerhalb des nationalen Territoriums erwirtschaftet wird.
Wenn der Ölpreis sinkt, läuft alles
Der aktuelle Rückgang der Öl- und Benzinpreise entlastet die Haushalte und senkt die Betriebskosten der Unternehmen. Folglich wirkt dies als zusätzlicher Anreiz für Konsum und Investitionen. Zugleich begrenzt es den Inflationsdruck, was den Spielraum der Fed erhöht und es ihr ermöglicht, länger eine expansive Geldpolitik beizubehalten. Kostengünstige Energie wird damit zu einem weiteren Wachstumshebel.
Und der Anleger?
Welche Auswirkungen hätte dies auf den Anleger? Wenn die Wirtschaft eindeutige Anzeichen einer Überhitzung zeigt, könnte befürchtet werden, dass die Fed die Zinsen weniger senkt als erwartet, um eine Überhitzung zu vermeiden. Da jedoch Donald Trump bis Mai 2026 einen neuen Fed-Chef ernennen muss, der ihm sicherlich wohlgesonnen sein wird, lässt sich jedoch vermuten, dass die Federal Reserve so accommodierend wie möglich bleiben wird. In diesem Kontext wird ein BIP-Wachstum näher bei +2,5% bis +3,0% zu einem plausiblen Szenario. Folglich könnten die Gewinne der Unternehmen, getragen von der inländischen Nachfrage, den Produktivitätssteigerungen durch KI und günstigen Steuerbedingungen, die heutigen Prognosen übertreffen, was den Aktienmärkten zugutekäme. Außerdem könnte der Dollar, gestützt durch eine robuste Wirtschaftsaktivität und nach wie vor günstige Zinsdifferenzen, stabil bleiben oder sich leicht aufwerten. Was die langfristigen Zinssätze betrifft, könnten sie je nach dem Gleichgewicht zwischen Wachstumsaussichten und der Inflation stabil bleiben oder leicht steigen, was die Anleiheinvestitionen belasten würde.
