Bankkredit: Das Signal einer neuen Phase in Europa

Der eigentliche Test wird sich nicht über ein Quartal erstrecken, sondern in der Fähigkeit, die inneren Barrieren abzubauen.

©Keystone

 

Seit mehr als fünf Jahren veröffentlichen europäische Banken nun nach Quartal hervorragende Ergebnisse. Ihr Aktienkurs spiegelt dies wider: Die Aktien des Bankensektors steigen seit Jahresbeginn um weitere 10%, wodurch eine bereits stark geprägte Dynamik der vergangenen Jahre fortgeführt wird. Das ist eine sehr gute Leistung. Doch dieses Mal kommt das interessanteste Signal nicht nur von den Aktien. Es kommt vom Kredit.

Denn diese Börsenperformance spiegelt eine viel tiefgreifendere Transformation des europäischen Bankensektors wider. Die Banken sind besser kapitalisiert, rentabler, disziplinierter in ihrem Risikomanagement und vor allem finanzieren sie sich deutlich günstiger. Diese Entwicklung ist nun auch in den Bonitätsbewertungen sichtbar.

Eine Flut von Bonitätsaufwertungen

Die Transformation des Sektors hat sich in einer beeindruckenden Welle von Bonitätsaufwertungen niedergeschlagen. Im Jahr 2025 hat Fitch 131 Bonitätsbewertungen von Banken weltweit angehoben, während nur 28 Abwertungen stattfanden, was einem Verhältnis von nahezu fünf zu eins entspricht. In Europa hat Moody’s ebenfalls die Einlagenratings von 47 europäischen Banken angehoben und die Perspektiven von 14 weiteren im Rahmen der regulatorischen Entwicklung im Zusammenhang mit dem CMDI-Paket verbessert. Die Europäische Zentralbank bestätigt diese Verbesserung ebenfalls: Laut dem SREP 2025 hat sich der Score von 25% der Banken verbessert, während 9% eine Verschlechterung verzeichneten.

Die Banken finanzieren sich nun über die gesamte Kapitalstruktur hinweg deutlich günstiger.

Diese Bewegung ist insbesondere bei den nachrangigen Finanzverbindlichkeiten sichtbar, insbesondere bei AT1- und Tier-2-Instrumenten. Lange Zeit als eine komplexe und risikoreiche Anlageklasse wahrgenommen, profitieren diese Teile der Kapitalstruktur heute von einem deutlich günstigeren Umfeld: gestärkte Bilanzen, hohe Rentabilität, robuste Vermögensqualität und eine strengere Aufsicht.

Der Wechsel des Axiom Obligataire, unseres auf europäische nachrangige Finanzverbindlichkeiten spezialisierten Fonds, in die Investment-Grade-Kategorie mit einer BBB-Bewertung illustriert diese Entwicklung. Es ist ein Zeichen einer tiefgreifenden und strukturellen Transformation des europäischen Bankensektors, die über die beeindruckende Kursentwicklung der letzten fünf Jahre hinausgeht: Die Banken finanzieren sich nun über ihre gesamte Kapitalstruktur hinweg deutlich günstiger.

Die Voraussetzungen für die Konsolidierung sind erfüllt

Dieser Rückgang der Finanzierungskosten verändert die Spielregeln. Wenn Banken über solide Kapitalquoten, hohe Rentabilität und günstigere Finanzierungskonditionen verfügen, sind alle finanziellen Rahmenbedingungen erfüllt, damit sich die Konsolidierung des Sektors beschleunigt.

Fusionen und Übernahmen (M&A) sollten daher in den nächsten Jahren zu einem der Hauptmotoren der Transformation des europäischen Bankensektors gehören. Die Signale sind bereits sichtbar, mit Transaktionen oder Annäherungsversuchen wie UniCredit und Commerzbank, aber auch mit lokalen Konsolidierungen, darunter in der Schweiz, wie der Zusammenschluss von Gonet & Cie und ONE Swiss Bank.

Dennoch bleibt die Konsolidierung trotz periodisch auftretender Transaktionen mühsam. In Europa ist eine Bankenverschmelzung niemals nur eine Frage der Bewertung, der Synergien oder der industriellen Logik. Sie stößt auch auf zahlreiche regulatorische Hürden, nationale Ausnahmen und starke lokale Präferenzen.

Eine Europa, die noch zu fragmentiert ist

Die Fragmentierung Europas bleibt erheblich. Die Steuervorschriften bleiben national, die Einlagensicherungssysteme sind noch nicht vollständig harmonisiert, einige lokale regulatorische Optionen bestehen weiter, und der Kapital- und Liquiditätsfluss innerhalb grenzüberschreitender Bankengruppen bleibt unvollkommen.

Hinzu kommt eine politische Dimension. In vielen Ländern werden Banken noch immer als strategische Institutionen betrachtet, manchmal fast als nationale Infrastruktur. Die Schaffung großer grenzüberschreitender Gruppen stößt daher auf Widerstand, selbst wenn die finanziellen und industriellen Argumente überzeugend sind.

Dies erklärt die gegenwärtige Diskrepanz: Die finanziellen Bedingungen begünstigen die Konsolidierung, aber der institutionelle Rahmen der Europäischen Union ist noch nicht vollständig darauf ausgerichtet. Kapital, Rentabilität und Finanzierungskosten sind aufeinander abgestimmt. Die regulatorischen und politischen Barrieren bleiben jedoch hoch.

Das amerikanische Vorbild der 1990er Jahre

Der Vergleich mit den Vereinigten Staaten ist aufschlussreich. Historisch gesehen war das amerikanische Bankensystem ebenfalls stark fragmentiert. Das McFadden-Gesetz von 1927 begrenzte stark die Niederlassungen zwischen Staaten, während die Regeln von Staat zu Staat erheblich variierten. Damals gab es Tausende von kleinen lokalen und regionalen Banken.

Unter der Präsidentschaft von Bill Clinton wurden zwei bedeutende Gesetze in zwei Schritten verabschiedet. Der Riegle-Neal Act von 1994 hob einen großen Teil der Barrieren zwischen den Bundesstaaten auf und ermöglichte es den Banken, sich landesweit zu entwickeln. Dann hob der Gramm-Leach-Bliley Act von 1999 mehrere Beschränkungen auf, die aus dem Glass-Steagall Act stammten, und ebnete den Weg für Zusammenschlüsse zwischen Geschäftsbanken, Investmentbanken und Versicherern.

Das Ergebnis war eine deutliche Reduzierung der Zahl der Institute und das Aufkommen großer Finanzgruppen, die europaweit agieren konnten. Dieses Vorbild ist hilfreich, um das heutige Europa zu verstehen: Wenn regulatorische Barrieren fallen, kann die Konsolidierung sehr kraftvoll werden.

Hin zu einem europäischen Riegle-Neal-Gesetz?

Europa befindet sich heute in einer Situation, die in gewissem Sinne an die Vereinigten Staaten vor 1994 erinnert. Der Bankensektor ist weiterhin durch nationale Regeln fragmentiert, sei es in Steuergesetzen, Einlagensicherung, regulatorischen Optionen oder dem Kapital- und Liquiditätsfluss.

Mit der Bankenunion, der einheitlichen Aufsicht durch die Europäische Zentralbank und den Bemühungen zur Regulierungsharmonisierung bewegt sich Europa bereits in Richtung einer Form eines europäischen «Riegle-Neal-Gesetzes». Doch um die Konsolidierung wirklich zu beschleunigen, muss es noch weiter gehen: Fortführung mit einem europäischen Einlagensicherungssystem, Reduzierung nationaler Ausnahmen und Erleichterung des Kapital- und Liquiditätsflusses innerhalb grenzüberschreitender Bankengruppen.

Wenn diese Barrieren fallen, könnte die Konsolidierung in neue Größenordnungen vordringen. Die amerikanische Erfahrung zeigt, dass die Kombination eines homogeneren regulatorischen Rahmens, günstiger Finanzierungskosten und solider Rentabilität einen starken und nachhaltigen Konsolidierungsimpuls erzeugen kann.

Eine strukturelle Transformation

Der europäische Bankensektor hat sich grundlegend verändert. Die Fundamentaldaten sind solide, die Bonitäten verbessern sich, und die Konsolidierung wird sich fortsetzen. Es handelt sich nicht um einen bloßen Aufschwungzyklus, sondern um eine strukturelle Transformation.

Für Investoren bedeutet dies Chancen sowohl bei Bankaktien als auch im Finanzkredit. Das Risiko-Rendite-Profil des Sektors hat sich im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt deutlich verbessert.

Der nächste Schritt wird weniger von den Quartalsergebnissen abhängen als von der Fähigkeit Europas, seine eigenen inneren Barrieren abzubauen. Der Kredit sendet bereits ein klares Signal: Der europäische Bankensektor hat eine neue Phase der Transformation eingeleitet.

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