US-Dollar, Öl und Gold: Eine neue Dynamik?

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen beeinflussen die Beziehungen zwischen drei Schlüsselaktiva deutlich: den US-Dollar, das Öl und Gold.

 

Der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat zu einer Neustrukturierung an den Märkten geführt, einschließlich einer Veränderung der Dynamik von drei weltweiten Schlüsselaktiva: dem US-Dollar, dem Öl und Gold.

Eine Entwicklung der traditionellen Korrelationen

Traditionell haben der US-Dollar und die Ölpreise oft eine gegensätzliche Beziehung zueinander geführt: Wenn der US-Dollar steigt, neigen die Ölpreise dazu zu fallen, und umgekehrt. Doch der gleichzeitige Anstieg beider seit Beginn des Konflikts hat daran erinnert, wie instabil diese Beziehung in Schocksituationen sein kann und Schwankungen unterliegt, was Anleger dazu veranlasst, resiliente Portfolios zu erstellen, die nicht ausschließlich auf historischen Korrelationen beruhen.

Trotz des jüngsten Rückgangs des Goldes bleiben wir der Ansicht, dass dessen mittelfristige Aussichten von strukturellen Veränderungen geprägt sind.

Gleichzeitig hat sich die historisch inverse Beziehung zwischen dem Dollar und Gold verstärkt, der Anstieg des Dollars geht mit einem Rückgang von Gold einher. Eine Trendwende im Vergleich zu der Situation vor dem Konflikt, nach einer Phase langanhaltender Dollar-Schwäche und anhaltender Stärke des Goldes. Warum diese Veränderung?

  • Der Ölpreis wird nun als rein geopolitisches Asset gehandelt, empfindlich gegenüber Versorgungsrisiken. Der Ölpreisanstieg von circa 60% im März war Ausdruck einer erheblichen Versorgungsbedrohung, verursacht durch Blockaden der Straße von Hormus und Störungen der Energieproduktion im Nahen Osten. Der Anstieg der Ölpreise hat zu globalen Inflationsdruck geführt und den Trend steigender Energiepreise weiter verstärkt.
  • Der Status des Dollars als sicherer Hafen wurde zumindest vorübergehend reaktiviert. Die US-Währung profitierte auch von den gestiegenen Energiepreisen. Da die Vereinigten Staaten nun ein bedeutender Netto-Ölexporteur sind, neigen die höheren Energiepreise dazu, die Terms of Trade der USA gegenüber vielen Ländern zu verbessern und die globalen Finanzbedingungen zu straffen, zwei Faktoren, die den Dollar kurzfristig begünstigen. Der Dollar wurde außerdem durch Carry-Trade-Operationen gestützt, bei denen Anleger von den erwarteten höheren US-Zinsen im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften profitieren.
  • Der wahrgenommene Status von Gold als politisch neutralem Vermögenswert, der in Krisen als Zufluchtsort dienen kann, wurde auf die Probe gestellt. Kurzfristig verhält sich das Edelmetall eher wie ein taktischer Vermögenswert, der auf Liquidität, Renditen und Positionierung reagiert, statt auf große geopolitische Risiken, da es gleichzeitig mit anderen typischerweise in Risikoperioden bevorzugten Diversifikationsinstrumenten gefallen ist, insbesondere Aktien und Anleihen, in einem Umfeld einer Korrelationskrise.

Diese Unterperformance erklärt sich teilweise dadurch, dass Investoren von dem starken Anstieg des Metalls profitiert haben, um Liquiditätsreserven aufzubauen oder Margin Calls auf Aktienpositionen zu decken. Es scheint auch, dass einige Zentralbanken erhebliche Volumina verkauft haben. Sie könnte auch die Erwartung widerspiegeln, dass Zentralbanken die Zinssätze erhöhen müssen, um die inflationären Auswirkungen steigender Energiepreise zu bekämpfen. Höhere Zinssätze bedeuten höhere Anleiherenditen, wodurch festverzinsliche Wertpapiere im Vergleich zu Gold für manche Investoren attraktiver werden.

Welche Implikationen ergeben sich für Investoren?

Wir bleiben bei einer positiven Sicht auf Rohstoffe, einschließlich Öl, das eine weiterhin hohe Risikoprämie aufweist, was dieses Rohmaterial zu einer geopolitischen Absicherung in Portfolios macht. Die Dauer des Konflikts wird entscheid

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