Übertragung des Wohneigentums: Eine Herzensangelegenheit mit Herausforderungen

Die neue Umfrage von Raiffeisen und YouGov zeigt, wie die Schweizer die Weitergabe ihres im Eigentum befindlichen Wohnraums erleben, wo die Herausforderungen liegen und welche Rolle Wissen und Beratung spielen.

Die Umfrage in Zahlen

  • 85% der Eigentümerinnen und Eigentümer einer Immobilie erwägen, ihr Haus an die nächste Generation zu übertragen.
  • Für 63% der Veräußererinnen und Veräußerer ist die Planung des Ruhestands der ausschlaggebende Faktor, der dazu führt, sich mit der Übertragung der Eigentumswohnung zu befassen.
  • Schwere Konflikte sind selten: Nur 5% der Geschwister der Übernehmerinnen und Übernehmer melden gravierende Uneinigkeiten.
  • Fast zwei Drittel der Personen, die ihr Eigentumsobjekt übertragen, lassen sich von einer Fachperson beraten.
  • 40% der Befragten geben an, wenig bis gar keine Kenntnisse im Bereich der Übertragung einer Eigentumsimmobilie zu haben.

Feststellung Nr. 1

Emotionale und finanzielle Gründe sprechen für eine Weitergabe innerhalb der Familie

Die Weitergabe einer Eigentumsimmobilie ist emotional aufgeladen: Die Unterstützung der nachfolgenden Generation, die Fortführung der Familientradition und die Bindung an das Elternhaus gehören zu den Hauptgründen, die die Befragten dazu bewegen, eine Immobilie im Familienbesitz zu behalten. Die Eltern zeigen sich von dieser Möglichkeit etwas stärker interessiert als die Kinder: 85% der Veräußererinnen und Veräußerer erwägen eine Übertragung, während etwa die Hälfte der Nachkommen an einer Übernahme interessiert ist.

Neben den emotionalen Gründen sprechen auch finanzielle Motive für eine intrafamiliale Lösung, insbesondere auf Seiten der Übernehmerinnen und Übernehmer: Fast ein Drittel von ihnen führt die finanziellen Vorteile gegenüber dem Kauf einer Wohnung am freien Markt an. Die Behauptung, dass es leichter sei, das Eigentum der Eltern zu übernehmen, als es von Dritten zu kaufen, findet breite Zustimmung unter den Befragten, mit im Durchschnitt 3,7 von 5 Punkten.

Feststellung Nr. 2

Der Prozess ist komplex – und daher Quelle von Konflikten

Die Weitergabe einer Immobilie ist kein Kinderspiel: Es handelt sich um einen komplexen und emotionalen Prozess. Folglich treten Spannungen nicht selten auf: Mehr als 80% der Veräußererinnen und Veräußerer, etwa die Hälfte der Übernehmerinnen und Übernehmer und fast zwei Drittel der Geschwister der Übernehmerinnen und Übernehmer sehen sich Konflikten gegenüber. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um geringfügige Uneinigkeiten. Nur eine sehr kleine Minderheit meldet schwere und anhaltende Konflikte.

Quelle: Raiffeisen-Umfrage «Übertragung einer Eigentumsimmobilie»

 

Die häufigsten Streitpunkte zwischen Veräußerern und Übernehmern betreffen den Preis, den Zustand der Immobilie oder den Zeitpunkt der Übertragung. Gerade bei diesem letzten Punkt gehen die Meinungen oft auseinander: Wenn Kinder die Immobilie übernehmen möchten, sind die Eltern in der Regel noch nicht bereit, sich davon zu trennen. Unter Geschwistern entstehen Uneinigkeiten oft, wenn mehrere von ihnen an einer Übernahme interessiert sind. Ein Drittel derjenigen, die auf das Elternhaus zugunsten eines Geschwisters verzichten mussten, gaben an, selbst interessiert oder sehr interessiert gewesen zu sein. Folglich kritisieren mehr als ein Viertel der Nichtübernehmer rückblickend die Organisation des Transmissionsprozesses.

Hilfreich zu wissen: Die Ausgleichspflicht im Erbfall ist eine Quelle von Spannungen

Der Großteil der Übertragungen von Eigentumsimmobilien erfolgt in Form einer Vorauszahlung des Erbteils. Es geht darum, Fairness zwischen Geschwistern zu wahren. So melden fast 30% der Übernehmerinnen und Übernehmer mit Geschwistern Konflikte zu diesem Thema, insbesondere über die angemessene Höhe des Ausgleichs. Diese Situation kann zu Konflikten beim Erbteilungsprozess führen, zum Beispiel wenn das Gebäude an Wert gewonnen hat und liquide Mittel fehlen, um den Ausgleichsbetrag zu begleichen. Deshalb raten unsere Expertinnen und Experten dazu, den Wert des zu berücksichtigenden Objekts im Voraus mit der Beteiligung der gesamten Familie zu besprechen und ihn verbindlich in einem Erbvertrag festzulegen.

Feststellung Nr. 3

Das mangelnde Wissen erschwert eine faire Übertragung

Wenn Eltern ihr Eigentumsobjekt an ihre Kinder übertragen, steht eine Sache ganz vorne: Alle sollen gerecht behandelt werden. Um zu beurteilen, was »gerecht« ist, bedarf es jedoch vertiefter Kenntnisse zu rechtlichen, steuerlichen und familiären Fragen. Und genau dieses Wissen fehlt oft. Für alle im Rahmen der Umfrage untersuchten Aspekte der Übertragung einer Eigentumsimmobilie gilt: Nur eine Minderheit kennt sich gut oder sehr gut damit aus. Das ist verständlich, da die Meisten dieses Verfahren, falls überhaupt, nur einmal im Leben durchlaufen. Das Risiko fehlerhafter Annahmen oder einseitiger Erwartungen steigt entsprechend.

Kenntnisse zu den Aspekten der Übertragung einer Eigentumsimmobilie

In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass viele Menschen auf professionelle Unterstützung setzen. 54% der Übernehmerinnen und Übernehmer einer Eigentumsimmobilie haben eine fachkundige Beratung in Anspruch genommen. Bei den Veräußererinnen und Veräußerern liegt der Anteil noch höher: 63% haben eine Beratung genutzt. Das ist wichtig, gerade weil das Wissen über die wesentlichen Aspekte begrenzt ist und alle Beteiligten am Prinzip der Fairness festhalten. Fachleute können dazu beitragen, Transparenz zu schaffen und Konflikte zu vermeiden.

Über die Umfrage

Für diese von Raiffeisen Schweiz und YouGov durchgeführte Umfrage wurden zwischen dem 23. Januar und dem 2. Februar 2026 1.500 Personen aus der Schweizer Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragung basiert auf einer geschichteten Zufallsstichprobe aus dem YouGov-Suisse-Online-Panel. Die Ergebnisse zeigen, wie die Schweizer Bevölkerung beim Weitergeben einer Eigentumsimmobilie vorgeht, welche Einstellungen und Empfindungen sie während dieses Prozesses zeigen und welches Wissen sie zu verwandten Themen besitzt.

Um die vollständige Umfrage zu lesen, klicken Sie hier

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