Im Jahr 2025 hat die Schweiz einen historischen Schwelle überschritten: Sie zählt nun mehr Menschen ab 65 Jahren als Jungen unter 20 Jahren. Dieser demografische Wandel, vom Bundesamt für Statistik (BFS) am 2. April 2026 bestätigt, fügt sich in eine strukturelle Dynamik ein, die sich voraussichtlich verstärken wird. In diesem Kontext dem Lebensstandard im Ruhestand ausschließlich auf öffentliche Mechanismen zu vertrauen, stellt ein erhebliches Risiko dar. Die Strukturierung der beruflichen Vorsorge wird zu einer wesentlichen Vermögensentscheidung.
Ein Umlagesystem unter strukureller Anspannung
Der 1. Pfeiler beruht auf der intergenerationellen Solidarität; dieses Umlagesystem ist daher stark von dem Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Beitragszahler und der der Begünstigten abhängig. Doch das Abhängigkeitsverhältnis verschlechtert sich: 2025 gibt es 32,9 ältere Menschen (65 Jahre oder älter) pro 100 Erwerbstätige, verglichen mit 25,7 vor zwanzig Jahren. Mit 65 Jahren können Frauen noch durchschnittlich 23,2 Jahre leben, Männer 20,7 Jahre, während die Geburtenrate niedrig bleibt (1,28 Kinder pro Frau).
Die Immigration (+77.300 Personen im Jahr 2025) kompensiert diese Entwicklung nicht dauerhaft, zumal sie im Jahresvergleich um 6,6% zurückgeht. Die AHV wird weiterhin ein Basis-Einkommen gewährleisten, doch sie kann den Erhalt des bisherigen Lebensstandards nicht mehr garantieren.
Die demografische Alterung beeinflusst auch die Anlagestrategie der Pensionskassen: Im Jahr 2025 erzielten jene mit einem hohen Anteil an Rentnerinnen und Rentnern eine Rendite von 3,9%, gegenüber 5,3% bei Institutionen mit wenigen Rentnern, die infolgedessen meist eine risikoärmere Anlagestrategie verfolgen. Ein Unterschied, der daran erinnert, dass die Rendite jeder Pensionskasse nicht vor den demografischen Ungleichgewichten geschützt ist.
Die berufliche Vorsorge: Ein untergenutzter Hebel
Der 2. Pfeiler beruht auf der Kapitalisierung und sollte theoretisch eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen den demografischen Alterungsprozess bieten. In der Praxis praktizieren jedoch viele Pensionskassen einen Umwandlungssatz, der höher ist als das, was ihre finanziellen Renditen tatsächlich finanzieren könnten, was zu Vermögensübertragungen von den Arbeitenden an die Rentner führt. Laut der Kommission zur Aufsicht der beruflichen Vorsorge (CHS PP) ist dieses Phänomen besonders bei großen Sammelkassen ausgeprägt. Daher ist es wichtig, dass jeder Versicherte die finanzielle Gesundheit seiner Pensionskasse kennt.
Trotz dieser Einschränkung bleibt auch die zweite Säule für viele Versicherten strukturell unteroptimiert, aus drei Hauptgründen.
- Der gewählte Vorsorgeplan bestimmt alles. Arbeitgeber haben die Möglichkeit, über das gesetzliche Minimum hinauszugehen, indem sie superobligatorische Pläne anbieten. Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitgeber eine optimierte Vorsorgelösung gewählt hat, profitiert von einer höheren Sparquote, einer besseren Absicherung der Risiken (Invalidität, Tod) und potenziell von einem vorteilhafteren Umwandlungssatz. Den vorgeschlagenen Vorsorgeplan bei einer Einstellung oder einem Berufswechsel zu vergleichen und zu berücksichtigen, wird viel zu oft vernachlässigt.
- Freiwillige Nachzahlungen sind steuerlich und finanziell bemerkenswert wirksam. Jeder Versicherte, vorbehaltlich der im Vorsorgeplan vorgesehenen Bedingungen, der eine Lücke bei den Beiträgen hat, kann Nachzahlungen in seine 2. Säule leisten. Diese freiwilligen Einzahlungen sind vollständig vom steuerbaren Einkommen absetzbar, wachsen in einem steuerlichen Privilegienrahmen und werden beim Bezug mit einem reduzierten Satz besteuert. In einem Umfeld, in dem staatliche Leistungen unter Druck geraten, eine robuste Kapitalbildung der 2. Säule durch Nachzahlungen der Beiträge zu schaffen, ist eine der besten Anlagen für einen in der Schweiz ansässigen Steuerzahler.
- Die Wahl der Leistungen, Rente oder Kapital, ist eine irreversible Entscheidung. Die Verlängerung der Lebenserwartung und die Unsicherheiten bei zukünftigen Umwandlungssätzen zwingen zu einer personalisierten Analyse: familiäre Situation, Gesundheitszustand, gesamtes Vermögen, Liquiditätsbedürfnisse. Diese Entscheidung wird oft zu spät getroffen und ohne passende Beratung, bestimmt dennoch mehrere Jahrzehnte Lebensqualität.
Vorausdenken, planen und handeln: einige gute Praktiken
In einer dauerhaft alternden demografischen Landschaft kann die Vorsorge nicht mehr als eine karrierebezogene Abschlussreflexion betrachtet werden. Einige grundlegende Prinzipien sind verbindlich.
Früh beginnen. Der Zinseszins belohnt die Frühzeitigkeit: Ein Franken, der mit 35 Jahren gespart wird, ist strukturell deutlich mehr wert als derselbe Franken, der mit 55 Jahren gespart wird. Eine Überlegung zu Nachzahlungen der Beiträge bereits in den Vierzigern maximiert den steuerlichen und finanziellen Hebel.
Den Pensionskassen kennen. Das jährliche Vorsorgezertifikat enthält wichtige Informationen: der gutgeschriebene Zinssatz, das Potenzial für Nachkäufe und das Niveau der prognostizierten Leistungen. Der Deckungssatz der Kasse wird in der Regel im Rahmen des Jahresberichts veröffentlicht, der den Versicherten normalerweise zugesandt wird. Zur Orientierung: Der durchschnittliche Deckungssatz betrug Ende 2025 120,3% für private Kassen und 115,1% für öffentlich kapitalisierte Institutionen; dies sind insgesamt solide Niveaus, aber sie verbergen individuelle Situationen, die oft stark variieren.
Die drei Säulen nutzen. Die Optimierung der Vorsorge erfolgt nicht Säule für Säule, sondern ganzheitlich. Die Säule 3a muss entsprechend vor den Nachzahlungen aufgefüllt werden, um mehr Flexibilität zu gewinnen und die Gesamteffizienz zu maximieren.
Der demografische Umbruch von 2025 ist eine Warnung, die durch Zahlen deutlich wird und nicht ignoriert werden kann. Die Systeme der öffentlichen Vorsorge bleiben zwar unverzichtbar, reichen jedoch nicht aus, um den angestrebten Lebensstandard zu sichern. Die strukturierte, sorgfältige und vorausschauende Ausgestaltung der beruflichen Vorsorge ist nicht mehr Spezialisten vorbehalten: Sie ist eine individuelle Verantwortung, die die Demografie jedem auferlegt.
Quelle: BFS – Statistik der Bevölkerung und der Haushalte, vorläufige Ergebnisse 2025 (Pressemitteilung vom 2. April 2026, über Innosuisse).
