Im Oktober präsentieren sich die Karacs in einem zarten Rosa-Glacé. Das emblematische Gebäck der Westschweiz wird so zum Symbol dieser Initiative, die vor rund vier Jahrzehnten ins Leben gerufen wurde und die Bekämpfung des Brustkrebses in den Mittelpunkt rückt. Hinter dieser Mobilisierung stehen erhebliche Herausforderungen sowohl für die Patientinnen als auch für Investoren. Denn sie bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, die neuesten Fortschritte in den Laboratorien der Pharma-Giganten zu diskutieren.
Nachdem sie im Juni eine europäische Zulassung für ihre Behandlung Enhertu (in Verbindung mit Pertuzumab) erhalten hatten, haben AstraZeneca und Daiichi Sankyo nun eine Zulassung in China für ihren Datroway erhalten. Das dürfte die Aktionäre zufriedenstellen. Die kommerziellen Perspektiven dieser beiden Therapien, die gegen bestimmte Brustkrebsarten eingesetzt werden, erinnern daran, dass hinter diesem Kampf erhebliche wirtschaftliche und börsenbezogene Fragen stehen. Darüber spricht man mit Servaas Michielssens, Head of Healthcare, Thematic Global Equity bei Candriam.
Où en sommes-nous dans l’évolution du marché et des traitements du cancer du sein?
Die Präzisionsmedizin hat die Behandlung von Brustkrebs grundlegend transformiert, mit wichtigen Fortschritten in drei großen Therapie-Bereichen. HER2-positive Krebserkrankungen sind ein besonders überzeugendes Beispiel: Früher mit einer ungünstigen Prognose verbunden, profitieren sie heute von hochwirksamen gezielten Therapien, insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), die eine zytotoxische Substanz zu den Tumorzellen transportieren. Laut Bloomberg-Schätzungen könnten die Umsätze von Behandlungen für HER2-positive Krebsarten bis 2030 etwa 15 Milliarden US-Dollar erreichen.
Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich bei hormonrezeptorpositiven und HER2-negativen Krebsarten, den häufigsten, ab. Ebenfalls laut Bloomberg könnte dieser Markt bis 2030 39 Milliarden Dollar erreichen. Schließlich bleiben dreifach negative Krebsarten schwieriger zu behandeln, profitieren aber ebenfalls von Fortschritten bei ADCs und Immuntherapie. Die Umsätze für Behandlungen dieses speziellen Typs könnten mehr als 8 Milliarden Dollar überschreiten.
Diese drei Segmente repräsentieren damit ein Potenzial von über 60 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz im Jahr 2030. Der Markt wächst weiter, und die Unternehmen nutzen dies, um sich weiterzuentwickeln: Die Positionen, die mit den ersten zielgerichteten Therapien geschaffen wurden, werden durch neue Generationen von Behandlungen allmählich in Frage gestellt.
L’enjeu se joue essentiellement autour du dépistage et des thérapies ciblées… Comment ces évolutions transforment-elles le secteur?
Der Fortschritt hängt stark mit der Annäherung von Diagnose und Behandlung zusammen. Eine bessere Charakterisierung eines Tumors ermöglicht es, Patientinnen zu identifizieren, die von einer bestimmten Therapie profitieren könnten, und zu verstehen, warum sie manchmal nicht mehr wirkt. Flüssigbiopsien, die insbesondere Tumor-DNA im Blut nachweisen, können diese Informationen liefern, ohne dass eine neue Gewebeentnahme nötig ist. In einigen Situationen fortgeschrittenen Brustkrebs ermöglichen sie bereits, eine Resistenzenmutation zu erkennen und die Behandlung anzupassen, bevor eine Progression in der Bildgebung sichtbar wird.
Die blutbasierte Untersuchung mehrerer Krebse bei symptomlosen Personen eröffnet der Pharmaindustrie eine zusätzliche Perspektive. Die im September vom Beratungsausschuss der FDA bestätigte positive Stellungnahme erhöht unserer Ansicht nach die Wahrscheinlichkeit einer amerikanischen Zulassung des Galleri-Tests, also einer Blutuntersuchung zur frühzeitigen Multikrebs-Erkennung (MCED). Das ist ein wichtiger Schritt für diese neue Generation von Tests, auch wenn die endgültige Entscheidung bei der FDA liegt. Ihre Anwendung würde etablierte Screenings ergänzen. Für das Segment könnten diese Entwicklungen dem Diagnoseweg eine wachsende Rolle im gesamten Behandlungsverlauf geben, von der Früherkennung bis zur Auswahl der Behandlung und zur Überwachung von Rückfällen.
„Roche und Novartis waren beide Pioniere in der Behandlung von Brustkrebs und bleiben wichtige Akteure.“
Les IA sont-elles vraiment en train de bouleverser le monde de l’oncologie?
Künstliche Intelligenz hat bereits heute konkrete Auswirkungen in der Onkologie. Die Analyse medizinischer Bilder, die Planung von Behandlungen und die Vorbereitung bestimmter chirurgischer Eingriffe werden zunehmend von KI unterstützt. Sie kommt auch in der Forschung und in der klinischen Entwicklung breit zum Einsatz.
Ich denke jedoch, dass der größte Teil ihrer Auswirkungen noch vor uns liegt, mit einer zunehmenden Beschleunigung in den nächsten drei bis fünf Jahren, angesichts der Dauer der Medikamentenentwicklung. Ihr Potenzial, die Produktivität der Forschung zu erhöhen, ist erheblich. KI ermöglicht es, Wissen aus der Wissenschaft breiter zu nutzen, Moleküle besser auszuwählen und Experimente durch automatisierte Labore, die rund um die Uhr arbeiten können, zu beschleunigen.
Indem die Zahl der untersuchten Moleküle erhöht wird und gleichzeitig die Qualität der Auswahl verbessert wird, sollten sich die Chancen erhöhen, neue Therapien hervorzubringen. Es ist diese Kombination aus besserem biologischen Verständnis und gesteigerter Experimentierfähigkeit, die mich besonders optimistisch macht in Bezug auf ihren Beitrag zur Onkologie.
La dernière nouveauté qui a emballé Wall Street concerne Moderna et Merck, avec l’arrivée éventuelle d’un vaccin thérapeutique contre le mélanome, une forme de cancer de la peau…
Der jüngste Coup, der die Wall Street begeistert hat, betrifft Moderna und Merck, mit der möglichen Einführung eines therapeutischen Impfstoffs gegen Melanom, eine Form von Hautkrebs…
L’approche est prometteuse. Moderna et Merck ont déjà annoncé des résultats positifs de phase III dans le mélanome, et la présentation détaillée prévue au congrès de l’ESMO (du 23 au 27 octobre) permettra d’en mesurer précisément la portée. L’objectif est de concevoir, à partir des mutations propres à chaque tumeur, un vaccin qui aide le système immunitaire à reconnaître et à éliminer les cellules cancéreuses susceptibles de subsister après la chirurgie.
Der Ansatz verspricht viel. Moderna und Merck haben bereits positive Phase-III-Ergebnisse beim Melanom angekündigt, und die auf dem ESMO-Kongress (23. bis 27. Oktober) geplante detaillierte Präsentation wird die Reichweite genau zeigen. Ziel ist es, basierend auf den jeweiligen Mutationen jeder Tumorart einen Impfstoff zu entwickeln, der das Immunsystem dabei unterstützt, verbleibende Krebszellen nach der Operation zu erkennen und zu eliminieren.
La grande question est celle de la transposition de cette approche à d’autres cancers. Le mélanome constitue un terrain particulièrement favorable: il présente souvent de nombreuses mutations pouvant être reconnues par le système immunitaire et répond déjà bien à certaines immunothérapies. Les cancers du poumon et du rein représentent également des pistes intéressantes, précisément parce que l’immunothérapie y a déjà démontré son efficacité.
Die große Frage ist, wie sich dieser Ansatz auf andere Krebsarten übertragen lässt. Das Melanom ist ein besonders günstiges Terrain: Es weist oft zahlreiche Mutationen auf, die vom Immunsystem erkannt werden können, und reagiert bereits gut auf bestimmte Immuntherapien. Lungen- und Nierenkrebs stellen ebenfalls interessante Richtungen dar, gerade weil die Immuntherapie dort bereits ihre Wirksamkeit gezeigt hat.
À quel point ces pistes de vaccins pourraient-elles bouleverser toute l’industrie?
Inwiefern könnten diese Impfstoffpfade die gesamte Branche erschüttern?
L’espoir est qu’un vaccin personnalisé puisse renforcer cette réponse immunitaire et réduire davantage le risque de récidive. Moderna et Merck explorent ces possibilités dans plusieurs essais. Les résultats dépendront toutefois de la biologie de chaque tumeur et des traitements associés. Les difficultés rencontrées par BioNTech le rappellent: son essai de phase II d’un vaccin personnalisé contre le cancer colorectal, développé avec Genentech et administré seul après la chirurgie, a été arrêté en août, faute de perspectives de bénéfice suffisantes. Cela souligne l’importance du choix de l’indication et des associations thérapeutiques, sans remettre en cause le potentiel global de cette approche.
Die Hoffnung besteht darin, dass ein personalisierter Impfstoff diese Immunantwort stärken und das Risiko eines Rückfalls weiter senken könnte. Moderna und Merck testen diese Möglichkeiten in mehreren Studien. Die Ergebnisse hängen jedoch von der Biologie jeder Tumorart und den verbundenen Therapien ab. Die Schwierigkeiten, die BioNTech erlebt hat, erinnern daran: Sein Phase-II-Studie eines personalisierten Impfstoffs gegen kolorektalen Krebs, entwickelt mit Genentech und nach der Operation allein verabreicht, wurde im August eingestellt, da es keine ausreichenden Nutzenperspektiven gab. Das unterstreicht die Bedeutung der Indikation und der Therapiekombinationen, ohne das Potenzial dieser Herangehensweise insgesamt in Frage zu stellen.
Sur le plan industriel, cette approche pourrait ouvrir la voie à un nouveau modèle de traitement et de création de valeur. Chaque vaccin étant conçu pour un patient donné, le savoir-faire repose autant sur le séquençage et les algorithmes que sur la fabrication. Cette personnalisation pourrait rendre la mise au point de copies plus complexe que pour un médicament classique et créer des barrières à l’entrée durables. Nous découvrirons dans les prochaines années jusqu’où cette technologie peut aller, mais les résultats positifs dans le mélanome devraient déjà favoriser de nouveaux financements et accélérer la recherche sur les vaccins thérapeutiques contre le cancer.
Aus industrieller Sicht könnte dieser Ansatz den Weg für ein neues Modell der Behandlung und der Wertschöpfung ebnen. Jedes Vakzin ist auf einen spezifischen Patienten zugeschnitten; Das Know-how beruht gleichermaßen auf Sequenzierung und Algorithmen wie auf der Herstellung. Diese Personalisierung könnte die Entwicklung von Kopien komplexer machen als bei einem herkömmlichen Medikament und dauerhafte Markteintrittsbarrieren schaffen. Wir werden in den kommenden Jahren sehen, wie weit diese Technologie geht, aber positive Ergebnisse beim Melanom sollten bereits neue Finanzierungen fördern und die Forschung an therapeutischen Krebsimpfstoffen beschleunigen.
On connaît l’importance de l’oncologie pour nos géants suisses que sont Roche et Novartis. Sont-ils toujours à la pointe des traitements contre le cancer?
Man kennt die Bedeutung der Onkologie für unsere Schweizer Giganten Roche und Novartis. Sind sie immer noch führend bei Krebstherapien?
Roche et Novartis ont tous deux été des pionniers dans le traitement du cancer du sein et restent des acteurs importants. Roche a joué un rôle majeur dans l’essor des traitements ciblés. C’est notamment le cas avec son Herceptin utilisé dans les cancers HER2 positifs. Ce traitement historique fait désormais face à la concurrence des biosimilaires, poussant le groupe à continuer d’innover. Son giredestrant, un traitement oral qui dégrade le récepteur aux œstrogènes, a obtenu des résultats positifs dans une étude de phase III. S’il est approuvé, il pourrait ouvrir un nouveau marché important pour Roche.
Novartis dispose, avec Kisqali, d’une franchise particulièrement performante et en forte croissance dans les cancers à récepteurs hormonaux positifs et HER2 négatifs. Toutefois, sa perte d’exclusivité est attendue au début des années 2030. Plusieurs projets sont intéressants, notamment à des stades précoces de développement, mais il reste à faire émerger un successeur capable de prendre le relais de Kisqali à une échelle comparable.
Précisons encore que si ces franchises occupent une place importante au sein des deux groupes, ceux-ci disposent aussi de nombreuses autres activités et sources de croissance. Leur potentiel boursier ne peut donc pas être évalué à la seule aune de leurs succès en oncologie: il faut considérer l’ensemble de leurs portefeuilles et les attentes déjà intégrées dans leur valorisation.
