Die Abschaffung des Mietwerts sollte Bremsspuren auf dem Hypothekenmarkt hinterlassen

Der Eigenmietwert wird in der Schweiz ab dem Steuerjahr 2029 abgeschafft. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass bei etwa einem Viertel der Hypotheken diese reduziert oder sogar vollständig getilgt werden könnte im Hinblick auf diese Abschaffung.

Der Eigenmietwert wird ab dem Steuerjahr 2029 in der Schweiz abgeschafft. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass eine Hypothek bei etwa einem Viertel der Eigentümerinnen und Eigentümer reduziert, ja sogar vollständig getilgt werden könnte im Hinblick auf diese Abschaffung. Das jährliche Hypothekengeschäftswachstum, das sich nahe bei 3% bewegt, würde durch diese Tilgungen gebremst, was das Wachstum des Hypothekarmarktes in den kommenden Jahren langsamer ausfallen würde.

Im Rahmen von zwei repräsentativen Umfragen, die jeweils vor und nach der Abstimmung über die Abschaffung des Eigenmietwerts durchgeführt wurden, haben MoneyPark und Helvetia 450 Immobilienbesitzerinnen und -besitzer ab 25 Jahren in der Deutschschweiz und der Romandie befragt, welche Folgen diese Maßnahme haben könnte. Vor der Abstimmung hatten etwa ein Drittel (34%) der Befragten angegeben, beabsichtigen, ihre Hypothek ganz oder teilweise zu tilgen, falls der Eigenmietwert abgeschafft wird. Jetzt, da die Abschaffung in der Volksabstimmung vom 28. September 2025 beschlossen wurde, ist dieser Anteil auf 27% gesunken, bleibt aber hoch. Unter den Befragten mit Hypothek plant eine von vier Personen mindestens eine teilweise Tilgung. Doch 29% lehnen dies ab, was fast dem Doppelten des Anteils entspricht, der vor der Abstimmung verzeichnet war.

Rückgang der Tilgungsabsichten motiviert durch die Abschaffung des Eigenmietwerts. „Auch wenn die Befragten mit Hypotheken nicht mehr so geneigt zur Tilgung sind wie vor der Abstimmung über die Abschaffung des Eigenmietwerts, könnte immer noch jede vierte Person ihre Hypothek reduzieren, ja sogar vollständig tilgen“, erklärt Lukas Vogt, CEO von MoneyPark. Die Tilgungsabsichten sind in der Deutschschweiz lediglich zurückgegangen (von 36% auf 25%), während die Bewohnerinnen und Bewohner der Romandie nun etwas häufiger eine Tilgung wünschen (27% gegenüber 31%). In der Romandie planen aktuell 9% der Befragten, ihre Hypothek vollständig zu tilgen, und 22% möchten nur einen Teil tilgen. Diese Werte liegen in der Deutschschweiz deutlich niedriger: 5% planen eine vollständige Tilgung, und 20% eine teilweise Tilgung.

Der Eigenmietwert wird abgeschafft. Wird dies Sie dazu bringen, einen Teil oder Ihre gesamte Hypothek zu tilgen?

Die Abschaffung des Eigenmietwerts sollte das Wachstum des Hypothekarmarktes bremsen

Nach Berechnungen von MoneyPark könnten die Eigentümerinnen und Eigentümer, falls sie ihre Tilgungsabsichten umsetzen, das Hypothekendarlehen in den fünf Jahren nach der Abschaffung des Eigenmietwerts um 30 bis 80 Milliarden Franken tilgen. Diese Tilgungen würden weitreichende Auswirkungen auf den Hypothekarmarkt haben, wobei das jährliche Wachstum von rund 3% – das heute etwas unter 40 Milliarden Franken liegt – zumindest teilweise durch die Rückzahlungen kompensiert würde. Der Hypothekarmarkt würde in den kommenden Jahren deutlich langsamer wachsen. Je nach den Datenquellen, aus denen Hypothekendarlehen abgeleitet werden, könnte dies auch deutlich stärkere Auswirkungen auf von Banken gewährte Kredite haben. „Wenn die Rückzahlungen mit liquiden Mitteln erfolgen, verlieren die Banken genau die Mittel, die sie zur Refinanzierung ihrer Hypothek verwenden“, erklärt Lukas Vogt, CEO von MoneyPark. Die Befragten im Alter von 30 bis 60 Jahren sind besonders zu Tilgungen bereit. Die am besten zum Tilgen geeigneten Personen sind jedoch diejenigen, die derzeit Rentnerinnen und Rentner sind (66 Jahre und älter) oder bald sein werden (61 bis 65 Jahre): Sie profitieren am stärksten von der Abschaffung des Eigenmietwerts. Mit den verfügbaren liquiden Mitteln könnten sie das laufende Hypothekendarlehen um die Hälfte reduzieren, wie unsere Einschätzung des letzten Jahres zeigt.

Bislang ist kein Anstieg der Tilgungen zu beobachten

Die neuesten Marktzahlen der Schweizerischen Nationalbank zeigen bislang noch keine Anzeichen für eine Bremsung infolge steigender Tilgungen. Im Gegenteil, bedingt durch die niedrigen Zinssätze steigt das Volumen neuer Hypotheken weiterhin an, sodass der Markt derzeit ein Wachstum von 3% aufweist, was dem Langzeitdurchschnitt entspricht. „Sogar unter unseren Kundinnen und Kunden, die ihre Hypotheken verlängern, nehmen Zuwächse zu, während Tilgungen zurückgehen“, erklärt Lukas Vogt.

Niedrige Zinssätze wirken (noch) stark abschreckend auf Tilgungen

Die Zurückhaltung gegenüber Tilgungen erklärt sich hauptsächlich durch die niedrigen Hypothekarsätze. Die Hälfte der Befragten, die sich gegen die Tilgung ihrer Hypothek aussprechen, führt das niedrige Zinsniveau an (51%). Das Argument, dass Tilgung aufgrund der niedrigen Zinssätze nicht rentabel sei, findet in der Deutschschweiz deutlich mehr Zustimmung (54%) als in der Romandie (39%). Ebenso überzeugt das Argument, Geld besser zu investieren als Hypothek zu tilgen, deutlich stärker in der Deutschschweiz (26%) als in der Romandie (9%). „Wenn die Hypothekensätze steigen, werden vermutlich mehr Befragte mit einer Tilgung rechnen“, erklärt Lukas Vogt.

Schreibe einen Kommentar