Corient, das größte unabhängige Vermögensverwaltungsunternehmen in den USA, hat kürzlich die Übernahme der Bedrock-Gruppe angekündigt, eines europäischen Vermögensverwalters und Multi-Family-Office mit Sitz in Genf, London, Monaco und Lissabon. Letzteres verwaltet 8,4 Milliarden Franken Vermögenswerte. Die Partner von Bedrock werden Partner von Corient. Corient hatte im September außerdem Stonehage Fleming und Stanhope Capital Group übernommen. Nachdem die Transaktion mit Bedrock abgeschlossen ist, dürfte Corient 468 Milliarden Dollar verwalten. Maurice Ephrati, Managing Partner und Mitbegründer von Bedrock, beantwortet die Fragen von Allnews:
Was ist der Hauptgrund für Ihre Vereinbarung mit Corient?
Unsere Hauptmotivation war es, uns an einen langfristigen strategischen Partner zu binden, der die Kultur von Bedrock teilt: Unabhängigkeit, Interessensausrichtung mit den Kunden und Investitionsdisziplin. Corient ermöglicht es uns, Unternehmergeist und Kundennähe mit größerer Größe, tieferer Expertise und internationaler Reichweite zu verbinden.
Mit Vermögenswerten unter 10 Milliarden US-Dollar ist Bedrock zu klein, um den Anstieg der Kosten zu bewältigen?
Die Größe ist in unserer Branche zu einem Schlüsselelement geworden, insbesondere aufgrund regulatorischer, technologischer und Compliance-Anforderungen. Bedrock hat sich bisher in diesem Umfeld zurechtgefunden, doch der Beitritt zu Corient ermöglicht es uns, unser Angebot dauerhaft weiter zu stärken. Es handelt sich um eine strategische Entscheidung, die eindeutig zukunftsorientiert ist.
Wie hat sich Bedrock in den letzten fünf Jahren entwickelt?
In den letzten fünf Jahren hat Bedrock ein stetiges Wachstum seiner Vermögenswerte, seiner Kundschaft und seiner geografischen Präsenz erlebt. Wir haben unsere Investment-Fähigkeiten gestärkt, unsere Infrastruktur und Governance professionalisiert und unsere internationale Expansion fortgesetzt, während wir nach wie vor stark auf maßgeschneiderte Beratung setzen.
„Die Kundenbeziehungen werden weiterhin lokal betreut, mit einem hohen Maß an Individualisierung.“
Welches Interesse besteht für Ihre Kunden daran, einen unabhängigen amerikanischen Vermögensverwalter zu wählen?
Nach den angekündigten Übernahmen von Stonehage Fleming und der Stanhope Capital Group (vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen) wird Corient der weltweite größte nicht-bankenorientierte Vermögensverwalter und Multi-Family-Office für vermögende Privatkunden sein. Die Kunden erhalten dadurch Zugang zu deutlich erweiterten weltweiten Fähigkeiten, insbesondere in Privatmärkten und alternativen Investitionen.
Was ist die geografische Herkunft Ihrer Kundschaft?
Unsere Kundschaft ist überwiegend europäisch, mit einer starken Präsenz in der Schweiz, im Vereinigten Königreich und Südeuropa, ergänzt durch internationale Familien und Unternehmer mit grenzüberschreitenden Bedürfnissen.
Bleibt die Schweiz weiterhin ein idealer Ort für die Führung eines Multi-Family Office?
Ja, absolut. Die Schweiz bietet politische Stabilität, rechtliche Sicherheit und eine lange Tradition der Exzellenz im Vermögensmanagement. Genf bleibt ein bedeutendes internationales Zentrum für Familien mit globaler Ausrichtung.
Wie lautet das Partnerschaftsmodell von Corient?
Wir schließen uns dem Partnerschaftsmodell von Corient an und werden vollständig integriert. Zum Abschluss der Transaktion wird Bedrock die Marke Corient übernehmen, bleibt aber weiterhin mit denselben Relationship-Teams an der Seite seiner Kunden tätig. Ziel ist es, die Fähigkeiten und die Größe von Corient mit Kontinuität und Nähe für die Kunden zu verbinden.
Welche ergänzenden Dienstleistungen werden den Kunden von Bedrock angeboten?
Die Kunden werden Zugang zu einer verstärkten globalen Recherche, zu einem breiteren Spektrum an Anlagemöglichkeiten und zu vertiefter Expertise in Bereichen wie Private Equity, Private Debt, Real Assets und dem Aufbau fortschrittlicher Portfolios erhalten.
In einer Gruppe, die fast 500 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet, bleibt dann ein persönlicher Service möglich?
Die persönliche Beratung steht im Kern unseres Modells. Die Kundenbeziehungen werden weiterhin lokal betreut, mit einem hohen Maß an Individualisierung. Das Partnerschaftsmodell von Corient ist darauf ausgelegt, diesen Ansatz zu stärken, nicht ihn zu verwässern.
Welche Anlageklassen sind in den Portfolios von Bedrock und Corient am stärksten vertreten?
Bedrock und Corient teilen einen sehr ähnlichen Ansatz bei der Vermögensallokation. Beide Gruppen verwalten diversifizierte Portfolios, die an börsennotierten Märkten, Privatmärkten und alternativen Investitionen ausgerichtet sind, was einen wichtigen Ausrichtungspunkt im Rahmen der Transaktion darstellt.
Was sind Ihre wichtigsten Überzeugungen auf den Finanzmärkten heute?
Wir bevorzugen eine disziplinierte Diversifikation, eine selektive Risikobereitschaft und eine aktive Portfoliosteuerung. In einem Umfeld geopolitsicher Unsicherheiten und Marktschwankungen sind eine robuste Asset-Allokation und der Fokus auf die Qualität der Investitionen von zentraler Bedeutung.
