Das Thema KI an der Börse erlebt regelmäßig Phasen des deutlichen Zweifels, die zu bedeutenden Konsolidierungsphasen führen: Sommer 2024, Januar 2025, März-April 2025, März 2026, Juli 2026, um nur die jüngsten und bedeutsamsten hervorzuheben.
Einige dieser Phasen hängen mit geopolitischen/makroökonomischen Faktoren zusammen, wie der im Zeitraum März-April 2025 beobachtete Rückgang im Zusammenhang mit der Ankündigung der massiven Zöllmaßnahmen der Trump-Regierung, die unter anderem die Wertschöpfungskette der KI, die insbesondere von Taiwan und Südkorea abhängig ist, zu destabilisieren drohen. Im März 2026 wecken der Iran-Angriff, der Anstieg der Ölpreise und deren inflationsbedingte Folgen Zweifel an der Finanzierung des Investitionszyklus in Rechenzentren.
Weitere Konsolidierungsphasen konzentrieren sich auf die Perspektiven des KI-Themas selbst. Die Befürchtungen einer „KI-Blase“ im Sommer 2024, die sich auf die Monetarisierung konzentrierten, sind ein markantes Beispiel. Im Januar 2025 wirft die Veröffentlichung des Modells Deepseek Fragen zur Monetarisierung von KI im Angesicht der chinesischen Konkurrenz auf.
Im Juli 2026 waren es teilweise dieselben Befürchtungen, die die Märkte bewegten, rund um die zentrale Frage des Werts der Rechenleistung: Werden die gigantischen Capex-Investitionen in Rechenzentren, insbesondere von Hyperscalern und Neocoulds, die erhoffte Kapitalrendite liefern können?
Auch wenn alle Debatten nicht endgültig geklärt sind, haben die Signale aus den Veröffentlichungen des Q2 2026 einen deutlichen Aufschwung der Hardware-Werte ermöglicht.
Seien wir ehrlich, diese Frage lässt sich nicht endgültig entscheiden und wird vom Markt periodisch erneut gestellt werden. Dennoch haben die Veröffentlichungen sehr positive Signale zu dieser Frage geliefert: Das Wachstum der Cloud-Geschäfte von Alphabet, Amazon und Microsoft beschleunigte sich im Q2 und erreichte +37% für AWS, +43% für Microsoft Azure und +82% für Google Cloud, und in allen drei Fällen lagen die Ergebnisse über den Erwartungen der Analysten. Über die Zahlen hinaus gehen die Kommentare dieser Unternehmen in dieselbe Richtung: Die Kundennachfrage übersteigt weiterhin die verfügbare Kapazität.
Der Gigant der KI-Modellreihe Anthropic, der seinen Börsengang vorbereitet, lieferte zudem ein positives Signal bezüglich der mittelfristigen Nachfrage nach Rechenleistung, indem er eine Umsatzprognose von 190 bis 200 Milliarden Dollar für 2028 vorlegte. Dies ist ein sehr gutes Signal sowohl für das Monetisierungspotenzial von KI als auch für die Nachfrage nach Rechenleistung in den kommenden zwei Jahren.
In diesem sehr dynamischen Markt auf kurze Sicht und mittelfristig vielversprechend beschleunigen die Hyperscaler weiterhin ihre Investitionen (Capex) in Rechenzentren. Der Analystenkonsens hat seine Erwartungen nach den Hinweisen aus dieser Ergebnis-Saison neu bewertet. Die Revision ist spektakulär: Allein für Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta beläuft sich die Gesamtsumme der Capex für 2027 nun auf rund 970 Milliarden Dollar, gegenüber rund 780 Milliarden zuvor. Im Vergleich zu den Erwartungen für 2026 bedeutet dies ein Wachstum 2027 von +43%, gegenüber +23% vor den Veröffentlichungen. Die Hardware-Anbieter können sich freuen.
Auch der taiwanesische Halbleiter-Auftragsfertiger TSMC, ein wesentlicher Barometer der Chipnachfrage aufgrund seiner quasi-monopolistischen Rolle in der Herstellung der fortschrittlichsten Chips (ohne Speicher), hat ebenfalls glänzende Ergebnisse vorgelegt und seine Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf mehr als +40% erhöht (gegenüber zuvor mehr als +30%). Die Analysten haben ihre Umsatzprognosen für dieses Jahr um nahezu +4% nach oben korrigiert.
Auch wenn alle Debatten noch nicht abgeschlossen sind, haben die Signale aus den Veröffentlichungen des Q2 2026 einen deutlichen Aufschwung der Hardware-Werte ausgelöst, ohne sie jedoch auf das Niveau ihrer Juni-Höchststände zurückzubringen.
