Durch die Marktschwankungen im Zusammenhang mit der Zinserhöhung und den Folgewirkungen für die Tech-Branche bleibt die Zuführung zu ETFs trotz allem deutlich hoch. Laut den Daten von Trackinsight, einer Tochtergesellschaft der Kepler Cheuvreux-Gruppe, liegen die seit Jahresbeginn verzeichneten Flows bereits fast 60% über dem Wert der gleichen Periode im Jahr 2025. Die Sommermonate haben diese Dynamik nicht wirklich unterbrochen: Trotz einzelner Gewinnmitnahmen blieb die Zuführung im Juli und August hoch.
Jenseits des absoluten Zuflussniveaus zeigen die Daten von Trackinsight jedoch eine Veränderung ihrer Zusammensetzung. Nach einem ersten Halbjahr, das von einer starken Konzentration der Zuflüsse auf eine begrenzte Anzahl von Themen geprägt war, insbesondere der Tech-Sektor, neigen sich die Allokationen seit Beginn des Sommers zu einer Diversifizierung. Es handelt sich zu diesem Zeitpunkt nicht um eine allgemeine Risikoreduktion, sondern eher um eine Rotation zwischen Segmenten.
Diese Entwicklung ist besonders bei US-Aktien sichtbar. Nach drei Monaten sehr starker Zuflüsse in Halbleiter, insgesamt fast 42 Milliarden Euro, haben die Zuflüsse sich kürzlich fortgesetzt. Die Feststellung ist bei der Technologie insgesamt differenzierter: Man beobachtet eher eine Normalisierung der Zeichnungen als eine Abwärtsbewegung der Abflüsse.
Gleichzeitig profitieren amerikanische Small- und Mid-Cap-Unternehmen von beträchtlichen Zuflüssen seit Beginn des Sommers. Auch Finanzwerte verzeichnen wieder positive Zuflüsse, in einem Umfeld allgemein günstiger Quartalsberichte für den Sektor. Diese Bewegungen deuten auf eine schrittweise Diversifizierung der Aktienexponierungen nach mehreren Monaten starker Konzentration hin.
Nicht alle Themen sind jedoch von dieser Rotation betroffen. Die Elektrifizierung sammelt insbesondere weiterhin in konstantem Tempo. Sie gehört daher zu den beständigsten Trends, die seit Jahresbeginn beobachtet wurden, ohne nennenswerte Anzeichen einer Abschwächung der Zuflüsse.
Diese Diversifizierung der Allokationen zeigt sich auch außerhalb der Aktienmärkte. Nach vier Monaten aufeinanderfolgender Abflüsse verzeichnen Gold-ETFs seit Juli wieder positive Zuflüsse, rund 3 Milliarden Euro wurden eingesammelt. Die Bewegung ist auch bei bestimmten ESG-Strategien spürbar: ETFs mit Dekarbonisierungs-Mechanismen verzeichneten seit Anfang Juni mehr als 4 Milliarden Euro Zuflüsse.
Im Bereich Fixed Income deutet sich ebenfalls eine Rotation innerhalb der Laufzeiten an. Im Kreditsegment konzentrieren sich die Abflüsse nun auf Anleihen mittlerer Laufzeit, während lange Laufzeiten bedeutende Zuflüsse verzeichnen. Die Zuflüsse bleiben gleichzeitig im kurzen Segment stabil. Diese Konstellation deutet auf eine relativ polarisierte Allokation entlang der Zinsstrukturkurve hin, mit dem Fortbestehen kurzer Positionen und einem erneuten Interesse an längeren Durationen angesichts der Renditen nach den Zinserhöhungen.
Schließlich bleiben die Zuflüsse in gehebelten Produkten ausgesprochen hoch. Sie beliefen sich im Juli auf fast 300 Milliarden Euro, während gehebelte ETFs auf Einzeltitel seit Beginn des Sommers etwa 20 Milliarden Euro Zuflüsse verzeichneten. Die beobachtete Volatilität bei einigen dieser Produkte hat bislang die Nachfrage nicht signifikant bremsen können.
Die jüngsten Zuflüsse liefern somit eine ziemlich kohärente Interpretation der Positionierung der Investoren. Das Zuflussniveau bleibt hoch, doch fokussiert er sich zunehmend weniger. Die Normalisierung der Zuflüsse auf den im ersten Halbjahr am stärksten nachgefragten Segmenten geht mit einer Rückkehr zu bislang weniger bevorzugten Expositionen einher – kleine und mittlere Marktkapitalisierungen, Finanzwerte, Gold oder Dekarbonisierung – sowie mit deutlicheren Anpassungen der Anleiheduration.
Zu diesem Zeitpunkt signalisieren die Trackinsight-Daten daher eher eine schrittweise Diversifizierung der Allokationen als eine Risikoreduzierung nach einem besonders koncentrationsreichen ersten Halbjahr.
