Family Banking: Frühzeitig planen, Vermögen nachhaltig weitergeben

Ob es sich um Unternehmen, Immobilien oder Kunstsammlungen handelt – wer sein Erbe bewahren möchte, muss die Nachfolgeplanung vorausschauend angehen.

 

Die Bewahrung eines Vermögens über mehrere Generationen hinweg ist eine komplexe Aufgabe, die weit mehr als eine rein finanzielle Verwaltung umfasst. In einem Umfeld, das vom Great Wealth Transfer geprägt ist, etabliert sich das Family Banking als ganzheitlicher und strategischer Ansatz, um Familien bei der nachhaltigen Weitergabe ihres Vermögens zu unterstützen.

Un environnement en mutation

Das Bismarck zugeschriebene Zitat – „Die erste Generation schafft den Reichtum, die zweite verwaltet ihn, die dritte studiert die Kunstgeschichte, die vierte verprasst ihn“ – illustriert gut das Risiko der Verwässerung des familiären Vermögens. Dieses Risiko wird durch ein politisch und steuerlich instabiles Umfeld verstärkt, wie die jüngsten Entwicklungen im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Belgien und Italien zeigen. Die zunehmende Mobilität von Wohlhabenden und ihrer Vermögenswerte macht die Nachfolgeplanung immer komplexer in einer Welt, in der sich die Regeln ständig ändern.

Angesichts dieser Instabilität suchen Familien nach Rechtsordnungen, die größere rechtliche und steuerliche Sicherheit bieten. Die Schweiz bleibt eine bevorzugte Destination dank der Stabilität ihres rechtlichen und steuerlichen Rahmens. Sie passt sich jedoch weiterhin den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen an, wie die im Jahr 2023 in Kraft getretene Reform des Erbrechts sowie die jüngsten Entscheidungen zur Abschaffung des Mietwertes und zur Einführung der individuellen Besteuerung verheirateter Paare zeigen.

Des patrimoines de plus en plus internationaux

Immer stärker international ausgerichtete Vermögen sind für wohlhabende Familien häufig mit grenzüberschreitenden Situationen verbunden: mehrere Nationalitäten, Vermögenswerte in mehreren Ländern verteilt, internationale Rechtsstrukturen, Erben mit Wohnsitz im Ausland. In diesem Umfeld kann eine effektive Nachfolgeplanung nicht auf das Zivil- oder Steuerrecht eines einzigen Landes beschränkt werden. Das internationale Privatrecht und Doppelbesteuerungsabkommen werden zu unverzichtbaren Instrumenten.

Die Schweiz verfügt lediglich über acht Steuerabkommen im Bereich der Erbschaftssteuern, was Familien dem Risiko einer Doppelbesteuerung aussetzt – insbesondere, wenn Vermögenswerte, Erben oder der Verstorbene in mehreren Staaten liegen. Eine wirksame Planung verbindet oft vorausgehende Umstrukturierungen und den Einsatz von Instrumenten (Vorsorgevollmachten, Schenkungen, Testamente oder Erbverträge…) oder von Strukturen, die der Art der übertragenen Vermögenswerte und dem Wohnsitz der Erben angepasst sind (z.B. eine Familienholding, Private Fund, Lebensversicherung, Trust …).

Les familles d’entrepreneurs: un cas particulier

Für Unternehmerfamilien bildet das Unternehmen oft das Herz des Vermögens. Die Nachfolge wirft heikle Fragen auf: Wer wird die Führung übernehmen? Wie sollen nicht aktive Mitglieder entschädigt werden? Welche Strukturen ermöglichen die Sicherstellung der Nachhaltigkeit der Geschäftstätigkeit? Eine vorausschauende Planung, die klare Governance-Regeln und eine Liquiditätssteuerung umfasst, ist unerlässlich, um Spannungen zu vermeiden und Kontinuität zu gewährleisten. 

In der Schweiz ist die Vorsorgevollmacht bei Entscheidungsunfähigkeit ein besonders relevantes Instrument. Sie ermöglicht, im Voraus eine Person zu benennen, die die Angelegenheiten im Falle von Entscheidungsunfähigkeit verwaltet.

In Verbindung mit einer Gesellschaftervereinbarung trägt sie dazu bei, die Kontinuität der Governance und Vermögensverwaltung sicherzustellen und gleichzeitig das Risiko von Blockaden in den Familien- oder Unternehmerstrukturen zu begrenzen.

Prendre en compte les dynamiques familiales

Über die rechtlichen und steuerlichen Aspekte hinaus hängt der Erfolg einer Vermögensübertragung von dem Verständnis familiärer Dynamiken ab. Geschiedene oder neu zusammengesetzte Familien, Konflikte, unterschiedliche Kompetenzen der Mitglieder, Heiraten oder Scheidungen: all dies sind Faktoren, die die Planung fragil machen können. Es sind oft nicht die Zahlen, sondern zwischenmenschliche Schwierigkeiten, die die Langfristigkeit des Vermögens gefährden.

Eine maßgeschneiderte Herangehensweise, die die spezifische Situation jeder Familie berücksichtigt, ist daher unerlässlich. Sie muss Elemente finanzieller Bildung, Einbindung in die Familienführung oder Philanthropie integrieren, um nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Werte weiterzugeben.

Le rôle élargi des banques privées

Family Banking erfordert viel mehr als Fachwissen im Bereich Investitionen. Es verlangt interdisziplinäre Kompetenzen: Finanzen, Recht, Steuern, Familienführung und Philanthropie… Die Fähigkeit, familiäre Diskussionen einfühlsam zu moderieren, ist ebenso entscheidend.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht Vertrauen: Familien müssen offen über sensible Themen wie Tod, Erbe oder die Verteilung der Rollen sprechen können. Der erfahrene Berater übernimmt hier die Rolle eines neutralen Vermittlers, der Konflikte entschärft und nachhaltige Lösungen ermöglicht.

Der Erfolg beruht auf der geschickten Verzahnung technischer Expertise, rechtlicher und steuerlicher Präzision, einfühlsamer Berücksichtigung emotionaler Aspekte und einer ganzheitlichen Sicht. Eine gelungene Nachfolgeplanung beruht auf Vertrauen, Transparenz und vorausschauendem Handeln. Sie ermöglicht es, Vermögen und Unternehmertum in eine stabile Grundlage für die kommenden Generationen zu verwandeln und widerlegt damit das Zitat von Bismarck.

Schreibe einen Kommentar