In den letzten Jahren haben sich die Fundamentaldaten vieler aufstrebender Volkswirtschaften deutlich verbessert. Die Verbesserung der Leistungsbilanzen, der Anstieg der Devisenreserven und die Beibehaltung einer vorsichtigen Geldpolitik unterstützen die makroökonomische Stabilität. Rohstoffexporteure profitieren insbesondere von robusten Handelsbedingungen, während einige Technologie- und Energieexporteure in Asien weiterhin zentrale Treiber des Wachstums bleiben.
Darüber hinaus bleibt das globale Umfeld grundsätzlich attraktiv für Kapitalströme in aufstrebende Märkte: Ein moderat schwächerer US-Dollar und die Aussicht auf stabile oder leicht sinkende US-Zinsen stützen sowohl Anleihen als auch Aktien.
Allerdings haben sich geopolitische Risiken verstärkt: Die Konflikte im Nahen Osten und die Volatilität der Kapitalströme erhöhen die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Markbewegungen.
Von Brasilien bis Südafrika: Welche Länder bieten derzeit Gelegenheiten für aufstrebende Anleihen?
Auf dem Hintergrund eines potenziell schwächeren US-Dollars und stabiler oder leicht sinkender US-Zinsen könnten aufstrebende Marktanleihen im Jahr 2026 weiterhin die Anleihen der entwickelten Märkte übertreffen. Die Chancen sind jedoch nicht überall gleich: Die Inlandswährungsschuld bietet das stärkste Aufwärts-potenzial, kombiniert mit hohen realen Renditen (300–500 Basispunkte) und unterbewerteten Währungen (BRL, MXN, ZAR). In einigen Märkten erlaubt die Inflationskontrolle den Zentralbanken Spielraum für moderate Zinssenkungen.
Außenverbindlichkeiten werden stärker durch Carry getragen, mit selektiver Wertung bei Hochzins-Staatsanleihen, bei denen die Spreads das Ausfallrisiko weiterhin überbewerten. Zu den besonders interessanten Möglichkeiten zählen die heimischen Märkte Lateinamerikas und südafrikanische Zinssätze sowie einige Emittenten der Außenverschuldung der Frontier-Märkte wie Argentinien und Ecuador.
Währungen unter Druck: Vorsicht ist geboten
Zu den wichtigsten Abwärtsrisiken gehört eine erneute Beschleunigung der US-Inflation und eine vorsichtige Geldpolitik der Fed, die den US-Dollar stärkt und die globale Liquidität verengt. Geopolitische Spannungen und die Volatilität der Kapitalströme erhöhen zudem die Unsicherheit an den Märkten.
Die strukturell höchsten Risiken bleiben in Ländern mit geringen Devisenreserven und hohem Außenfinanzierungsbedarf – insbesondere in den Frontier-Märkten Afrikas, in Pakistan und Ägypten –, sowie auf den heimischen Märkten, wo die Glaubwürdigkeit der Politik gering ist – wie die Türkei, Südafrika und Nigeria –, wo der Devisenmarkt zum Hauptkanal der Anpassung wird. Haushaltsfehlentwicklungen werden immer kritischer, insbesondere in Lateinamerika und in einigen Regionen der CEEMEA-Region, wo sich die Dynamik der Staatsschulden in einem politischen Spannungsfeld verschlechtert.
Fazit
Die Fundamentaldaten vieler aufstrebender Märkte bleiben robust, und es bestehen weiterhin strukturelle Chancen. Allerdings hat sich das Risikoumfeld aufgrund geopolitischer Spannungen und der Volatilität der Kapitalströme verschärft. Anleger sollten daher einen selektiven Ansatz verfolgen, gezielt die Chancen auf den lokalen Märkten nutzen und gleichzeitig ihre Portfolios gegen mögliche Schocks absichern.
