DWS, einer der größten Vermögensverwalter, reorganisiert seine Geschäftsstrategie. Seit Juni letzten Jahres ist die Struktur nicht mehr auf Produkte noch auf Regionen ausgerichtet, sondern auf Kundensegmente. Letztere ist so umstrukturiert, dass sie um die Segmente „Private Wealth“ und „Institutional“ aufgebaut ist. Die Veränderung zielt darauf ab, Lösungen für Kunden bereitzustellen, deren Bedürfnisse wandelbar sind.
Der neue weltweite Leiter von „Private Wealth“ ist Simon Klein (ehemals weltweiter Vertriebsleiter von Xtrackers). Er ist damit verantwortlich für 60% der von DWS verwalteten Vermögenswerte und für drei Viertel des Umsatzes.
In diesem Sommer startet PostFinance, in Zusammenarbeit mit DWS, den ersten Xtrackers-Multi-Asset-ETF für Schweizer Anleger, den PostFinance Global Portfolio Xtrackers UCITS ETF. Der ETF investiert breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen und setzt die strategische Asset-Allokation von PostFinance um. Er umfasst globale Aktien aus industrialisierten und aufstrebenden Ländern, unterscheidet sich jedoch deutlich von klassischen, rein indexorientierten Lösungen: Der Anteil europäischer Aktien, insbesondere der Schweizer, ist absichtlich übergewichtet. Das Portfolio, das die Sicht des CIO von PostFinance widerspiegelt, wird durch alternative Anlagen wie Gold und Schweizer Immobilien ergänzt. Die Zusammensetzung wird alle sechs Monate neu ausbalanciert. Simon Klein, der neue Leiter von Private Wealth bei DWS, beantwortet Allnews-Fragen:
Welche Formen aktiver ETFs sind derzeit am stärksten nachgefragt?
Aktive ETFs zielen darauf ab, die Vorteile von ETFs – Transparenz, Liquidität und Rentabilität – mit einem klar erkennbaren Mehrwert zu verbinden. Es gilt, Strategien zu unterscheiden, bei denen Anleger von einer diskretionären Auswahl oder von einer quantitativen Titelauswahl profitieren möchten. Im Multi-Asset-Bereich sind aktive ETFs seit langem etabliert, auch wenn sie damals noch nicht so genannt wurden. Unser „Portfolio“-ETF ist inzwischen 18 Jahre alt. Wir verfolgen auch im Rahmen unseres jüngst mit PostFinance gestarteten Kooperations-ETFs einen Multi-Asset-Ansatz. Dieser ETF basiert auf den Allokationsentscheidungen des CIO von PostFinance und investiert breit diversifiziert in globale Aktienmärkte, ergänzt durch alternative Anlagen wie Gold und Schweizer Immobilien.
„Die Nachfrage nach KI-bezogenen Anlagelösungen bleibt stark, während sie sich gleichzeitig weiter diversifiziert.“
Anders in Europa werden aktive ETFs derzeit überwiegend von Asset-Allokationsverantwortlichen privater Banken und Vermögensverwaltern gekauft, die eine Überperformance gegenüber dem Referenzindex durch eine aktive, quantitative Strategie anstreben. Die Nachfrage in Europa ist geringer seitens privater Anleger (Retail).
Im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen starken Zufluss in unser Angebot Enhanced Active, da diese Produkte inzwischen mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt haben. Diese Produkte gehören zur ersten Kategorie und richten sich daher eher an professionelle Anleger.
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass wir im Bereich Private Wealth, als DWS, eine Vielzahl von Lösungen haben, von ETFs über klassische Investmentfonds bis hin zu klassischen Modellportfolios. Unsere Aufgabe besteht darin, Bausteine bereitzustellen, die den unterschiedlichen Marktteilnehmern gerecht werden.
Welche aktuelle Nachfrage gibt es nach Lösungen rund um KI?
Die Nachfrage nach KI-bezogenen Anlagelösungen bleibt stark, während sie sich zugleich diversifiziert. Investoren suchen zunehmend nicht nur nach offensichtlichen Technologiewerten, sondern auch nach Investitionsmöglichkeiten entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette: Von Halbleitern und Rechenzentren bis hin zu Unternehmen, die KI erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle integrieren.
Unser KI- und Big-Data-ETF wurde lange bevor das Thema breit populär wurde aufgelegt. Seine Struktur mit Patentenauswertung war äußerst innovativ. Der ETF hat alle in bestimmten Bereichen eingereichten Lizenzen untersucht, um Unternehmen mit der größten Innovationskapazität zu identifizieren. So wollten wir in die Gewinner von morgen investieren, im Rahmen eines zukunftsgerichteten Ansatzes. Auch in diesem Bereich bieten wir aktive Investmentfonds an; daher haben wir Lösungen, die zu jeder Strategie und jedem Vertriebskanal passen.
Mit diesem gleichen Auswahlprozess haben wir, ebenso wie bei unserem ETF KI und Big Data, auch einen ETF zum Thema Elektrifizierung aufgelegt. Er berücksichtigt die Elektrifizierung der Wirtschaft und investiert insbesondere in Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und KI.
Eine der großen Herausforderungen für Investoren besteht darin, Konzentrationsrisiken zu vermeiden (USA, Technologie). Ist das Passive Management noch geeignet? Wie lässt es sich ersetzen?
Das passive Management ist ein wichtiger und rentable Bestandteil des Portfolios. Allerdings muss man in einem zunehmend konzentrierten Markt die Risiken, die man tatsächlich mit einem kapitalisierungsgewichteten Index eingeht, genauer betrachten und gegebenenfalls passive Anlagen gezielt durch aktive Ansätze oder alternative Indizes ergänzen. Wir waren daher die Ersten, die einen MSCI World ex US-ETF eingeführt haben. Es liegt beim Anleger, zu entscheiden, ob er in die US-Technologien investieren möchte und ggf. in welchem Anteil. Genau diese Möglichkeit bieten wir mit einem solchen Produkt. Um die Nachteile eines kapitalisierungsgewichteten Index auszugleichen, kann der Anleger auch einen gleichgewichteten ETF auf amerikanische Aktien in Erwägung ziehen, was eine Gewichtung zugunsten kleinerer und mittlerer Kapitalisierung bedeutet.
Wir haben natürlich den Vorteil, seit 70 Jahren im Bereich aktives Management präsent zu sein. Unsere Expertise ermöglicht es uns, Themen wie Konzentrationsrisiken frühzeitig zu identifizieren und ihnen zu begegnen.
Wir bieten generell Lösungen zur Vermögensallokation, die den unterschiedlichen Kundengruppen gerecht werden. Einer unserer Blockbuster ist zum Beispiel DWS Top Dividende, der mehr als 25 Milliarden Euro Vermögen verwaltet. Aber thematisch sind wir ebenfalls gut positioniert als Akteure am Markt und bieten zum Beispiel mit unserem Fonds „Critical Tech“ ein Produkt, das sich perfekt in die Gegenwart einpasst.
Wie hat sich der Investor durch das Aufkommen der KI strategisch verändert?
In der Praxis führt KI zu einer Veränderung. Früher nutzte der Investor Google für seine Recherchen. Heutzutage stützt er sich auf LLMs wie ChatGPT, Claude oder andere. Für uns als Dienstleister ist es wichtig, dass diese Agents die Informationen finden, die wir bereitstellen. Hier kommt unsere Präsenz in den sozialen Netzwerken ins Spiel, auch mithilfe von Finfluencern. Wir müssen hochwertigen Content in den sozialen Medien anbieten, auch wenn wir wissen, dass er nicht unbedingt ein maßgeschneidertes Produkt für jeden einzelnen ist.
Spielen soziale Netzwerke eine positive Rolle in der finanziellen Bildung?
Ja, grundsätzlich, auch wenn es keine Zertifizierungen gibt, die ihre Qualität belegen. Für uns bieten diese Kanäle Chancen: Auf Instagram sprechen wir zum Beispiel Themen rund ums Investieren an, wie hier besprochen, zum Beispiel Erklärungen zur Zusammensetzung von ETFs oder Dossiers zur Verwaltung von Konzentrationsrisiken. Diese Entwicklungen gehen damit einher, dass der Anleger zunehmend selbst die Investments wählt, die er wünscht, und die Portfoliostruktur bestimmt. Ein Vorsorgekonto ist ein gutes Beispiel.
Investieren Jugendliche anders als ihre Eltern?
Absolut. Meine Eltern legten ihr Geld unter die Matratze. In Deutschland zogen es lange Zeit Bürgerinnen und Bürger vor, ihr Sparkonto zu nutzen. Die Rendite war nach der Inflation nahezu null. Das Interesse an Investitionen und finanzieller Bildung fehlte lange. Diese Einstellung hat sich insbesondere seit dem Covid, mit der beschleunigten Digitalisierung der Wirtschaft, geändert.
Aujourd’hui, les épargnants cherchent à s’informer sur internet, où ils trouvent les informations des groupes financiers comme des finfluenceurs. C’est une tendance positive. On y parle beaucoup des produits financiers, de leur performance et des coûts. Finalement c’est l’investisseur qui prend ses décisions, épargne et assume ses choix.
Heute suchen Sparer im Internet nach Informationen, wo sie Informationen von Finanzgruppen wie von Finfluencern finden. Das ist eine positive Tendenz. Man spricht dort viel über Finanzprodukte, deren Performance und Kosten. Letztlich trifft der Anleger die Entscheidungen, spart und übernimmt seine Wahl.
Quelqu’un qui investit encore 30 ans avant sa retraite doit naturellement privilégier les actions. Les décisions sont souvent mises en oeuvre avec les courtiers en ligne.
Jemand, der noch 30 Jahre vor dem Ruhestand investiert, sollte natürlich Aktien bevorzugen. Die Entscheidungen werden oft über Online-Broker umgesetzt.
Il existe toutefois de nombreux autres investisseurs qui préfèrent visiter des conseillers dans une succursale. Une solution active a besoin d’être expliquée, sur le net ou ailleurs.
Es gibt jedoch viele weitere Investoren, die es vorziehen, in eine Filiale zu gehen und sich dort beraten zu lassen. Eine aktive Lösung muss erläutert werden, im Netz oder anderswo.
Aujourd’hui, les investisseurs utilisent les réseaux sociaux et entrent ainsi en contact avec des «finfluenceurs». Autrefois, tous les investisseurs, y compris certainement ici en Suisse, connaissaient encore les journalistes de télévision qui couvraient l’actualité de Wall Street. Cela se passe désormais aussi sur les réseaux sociaux.
Les marchés obligataires sont à la peine. Pour les jeunes, quelle classe d’actifs remplace les obligations dans le portefeuille?
Die Anleihenmärkte leiden. Welche Anlageklasse ersetzt für junge Anleger Anleihen im Portfolio?
Les investisseurs peuvent par exemple aussi investir dans les marchés monétaires et y obtenir de bons rendements, intéressants précisément dans le contexte d’une hausse des taux d’intérêt. Je pense par exemple à notre Euro-Overnight-ETF. L’or profite aussi de ses vertus de diversification et de protection contre l’inflation. La crypto en est encore à ses débuts, du moins en Allemagne alors qu’elle est plus avancée dans un pays comme la Suisse.
Investoren können zum Beispiel auch in Geldmärkte investieren und dort gute Renditen erzielen, besonders im Kontext steigender Zinssätze. Ich denke zum Beispiel an unseren Euro-Overnight-ETF. Gold profitiert ebenfalls von seinen Diversifikations- und Inflationsschutz-Vorteilen. Kryptowährungen befinden sich noch im Anfangsstadium, zumindest in Deutschland, während sie in einem Land wie der Schweiz weiter fortgeschritten sind.
