Wenn die Amerikaner eine Feststimmung erleben, ist dieses Jubiläum auch die Gelegenheit, die Bilanz dieser ersten Jahreshälfte zu ziehen und sich zu fragen, ob es auch an den Finanzmärkten Grund zur Feier gibt.
Jeder wird sich seine eigene Meinung darüber bilden, ob die israelisch-amerikanische Militäroperation im Iran eine dauerhafte Friedenslösung ermöglichen kann. Eines ist jedoch sicher: Sie hat die Unsicherheit sowohl wirtschaftlich als auch finanziell neu entfacht. Zwar ist der Ölpreis in den letzten Tagen unter die Marke von 70 Dollar gefallen und hat das Niveau vor Ausbruch der Militäroperationen wieder erreicht. Doch dieses Ereignis hat die Fragen nach der Fähigkeit der Zentralbanken, die Inflation zu kontrollieren, verstärkt. Die Europäische Zentralbank setzte daher die Anpassung ihrer Geldpolitik fort und erhöhte sie um 25 Basispunkte, während die US-Notenbank die Leitzinsen unverändert ließ. Eine Entscheidung, die an sich fast einer Intervention gleichkommt, da die Märkte zu Jahresbeginn noch mit einer Zinssenkung im ersten Halbjahr gerechnet hatten.
Trotz dieses unsicheren Umfelds setzten die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend fort, jedoch aus deutlich unterschiedlichen Gründen je nach Region.
In der Schweiz legte der Swiss Market Index (SMI) im ersten Semester um fast 7% zu, getragen vor allem von den hervorragenden Ergebnissen von ABB, Kuehne+Nagel und Novartis.
Noch ermutigender ist, dass dieser Anstieg weitgehend auf einer Verbesserung der erwarteten Gewinne beruht, eher als auf einer Expansion der Bewertungsmultiplikatoren.
Jenseits der Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten haben auch die Aktienmärkte zahlreiche Gründe zur Freude.
Europäische Aktien zeigen ebenfalls eine solide Entwicklung, mit einem Zuwachs von rund 9% seit Jahresbeginn, ebenfalls getragen von sich verbessernden Gewinnperspektiven. In den USA steigt der S&P 500 ebenfalls um mehr als 9%, während das Kurs-Gewinn-Verhältnis der erwarteten Gewinne von 22 auf 20 Mal gefallen ist. Anders ausgedrückt, wachsen die Gewinnprognosen noch schneller als die Aktienkurse. Die Sektoren Technologie, Industrie und Energie waren die Hauptmotoren dieser Performance.
Über die großen Indizes hinaus haben sich in den ersten sechs Monaten drei Themen besonders hervorgetan: Japan, amerikanische Small-Caps und künstliche Intelligenz in den Schwellenländern. Häufig untergewichtet in den Portfolios der Schweizer Investoren, hat der japanische Markt eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Der Nikkei 225 legte fast 40% zu, getragen von der Erholung bei Industrieaktien und der starken Nachfrage nach Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz verbunden sind.
KI ist ebenfalls ein wesentlicher Treiber der Schwellenmärkte. Der MSCI Emerging Markets-Index verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von über 20%, getragen insbesondere durch den Höhenflug von SK Hynix und Samsung Electronics, zwei unverzichtbare Akteure in der Wertschöpfungskette der Halbleiter, die für künstliche Intelligenz bestimmt sind. „Amazing“, würde wohl ein gewisser Präsident sagen.
Dieser würde auch die spektakuläre Erholung des Russell 2000, dem Index der amerikanischen Small-Caps, betonen, der in nur zwei Monaten um fast 22% gestiegen ist. Diese Leistung bedarf jedoch einer Nuancierung: Sie lässt sich vor allem durch eine Expansion der Bewertungsmultiplikatoren erklären, statt durch eine Verbesserung der erwarteten Gewinne. Der Russell 2000 wird nun bei rund 29 Mal seinen zukünftigen Gewinnen gehandelt, gegenüber etwa 23 Mal beim Nasdaq 100, dessen Technologieunternehmen dennoch über ein bedeutendes Gewinnwachstumspotenzial verfügen dank der fortlaufenden Entwicklung der künstlichen Intelligenz.
Schlussendlich, jenseits der Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, haben auch die Aktienmärkte zahlreiche Gründe zur Freude. Gleichgültig in welcher Region, ihr Aufstieg entstand in einem geopolitisch besonders unsicheren Umfeld; noch wichtiger ist, dass er weitgehend auf einer Verbesserung der Gewinne der Unternehmen beruht statt auf einer bloßen Neubewertung der Märkte — ein Faktor, der in der Regel nachhaltiger ist. Wir hoffen, dass sich diese Dynamik im zweiten Halbjahr des Jahres fortsetzt.
