Bilanz: Vermögensverwaltung geprägt von tiefgreifenden Veränderungen

Das 40-jährige Jubiläum der Branchenorganisation bietet die Gelegenheit, vier Jahrzehnte der Entwicklung des Berufs zu reflektieren und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Die Vermögensverwaltung ist ein starkes Berufsfeld, das es geschafft hat, sich über Jahrzehnte hinweg an die Entwicklungen seiner Umwelt anzupassen. Auch wenn der Branchenverband heute sein 40-jähriges Bestehen feiert, ist der Beruf an sich tatsächlich viel älter und hat auf gewisse Weise immer existiert. In der Schweiz bildet er einen wichtigen Pfeiler der Wirtschaft, mit über 500 Milliarden Franken an verwaltetem Vermögen. Die Vermögensverwaltung in der Schweiz zeichnet sich durch die Qualität und Dichte ihrer Fachleute aus, die jeden Tag zu ihrem Ansehen und ihrer Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

Eine starke und beständige Profession

Vierzig Jahre stellen einen symbolischen Meilenstein für den Beruf dar. Wie alle großen Jubiläen laden sie dazu ein, den bisherigen Weg sowohl in unserem Beruf als auch im weiteren wirtschaftlichen Kontext zu betrachten.

Vierzig Jahre ist auch das Alter, in dem viele Unternehmer einen entscheidenden Schritt in ihrem beruflichen Werdegang wagen. Für Vermögensverwalter gründen die Gründer von Vermögensverwaltungsgesellschaften oft ihr Unternehmen im vierten Jahrzehnt.

Die Gründung einer Vermögensverwaltungsgesellschaft ist eine weitreichende Entscheidung. Diese Wahl wird oft von dem Wunsch getragen, den Kunden in den Mittelpunkt aller Entscheidungen zu stellen, ausschließlich in seinem Interesse zu handeln und so nah wie möglich an seinen Bedürfnissen zu bleiben. Diese Unabhängigkeit ermöglicht eine wirklich personalisierte Begleitung, basierend auf einer langanhaltenden Vertrauensbeziehung. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Mehrwert des Vermögensverwalters.

Eine Welt im tiefgreifenden Wandel

Diese vierzig Jahre waren ebenfalls von tiefgreifenden Veränderungen in unserem Umfeld geprägt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit nennen wir einige bedeutende Ereignisse: der Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges, die eine Annäherung zwischen Osten und Westen einleiteten; die Golfkonflikte und die Kriege im Irak; die Terroranschläge vom 11. September 2001, die die internationalen Beziehungen tiefgreifend neu gestalteten; jüngst die Rückkehr geopolitischer Spannungen auf dem europäischen Kontinent. Wirtschaftlich und finanziell haben wir den Börsencrash von 1987, die Internetblase, die Finanzkrise von 2008, die COVID-19-Pandemie und die tiefgreifenden Veränderungen, die sie verursacht hat, erlebt.

Diese Umbrüche haben unsere Arbeitsweise tiefgreifend verändert und unsere Unternehmen leistungsfähiger, agiler und weltoffener gemacht.

Technologie im Dienst der Leistungsfähigkeit und der Kundenbeziehung

Technologisch waren die Fortschritte ebenso spektakulär. Der Aufstieg des Internets, die Allgemeinverbreitung der Informatik, die Robotisierung, die Digitalisierung von Prozessen, die künstliche Intelligenz und neue Kommunikationswerkzeuge haben unsere Berufe tiefgreifend verändert und werden sie auch in den kommenden Jahren weiter verändern.

Auf unserer Ebene haben diese Entwicklungen die Unternehmen effizienter, reaktionsschneller und wettbewerbsfähiger gemacht. Sie haben uns auch mehr Zeit verschafft, uns dem zu widmen, was weiterhin unseren eigentlichen Mehrwert ausmacht: die Qualität der Kundenbeziehung, die persönliche Begleitung und die kontinuierliche Suche nach nachhaltigen Leistungen.

Fortschritte der KI veranschaulichen diese Entwicklung perfekt. Finanzinformationen waren schon immer verfügbar, insbesondere über Plattformen wie Bloomberg oder LSEG Workspace. Die KI ermöglicht es heute jedoch, auf diese Informationen viel schneller zuzugreifen, sie effektiv zusammenzufassen und die Analysearbeiten erheblich zu beschleunigen. Die Vorteile sind auch im Bereich Reporting enorm, wo Zeitersparnis, Qualität und Personalisierung beträchtlich sind. Langfristig werden diese Entwicklungen auch erhebliche Auswirkungen auf Portfolio-Management-Systeme (PMS) haben.

Die kommenden Jahrzehnte vorbereiten

Wenn man in die Zukunft blickt, werden die Herausforderungen zahlreich sein, aber ebenso viele Chancen. In dieser Hinsicht bleibt Joseph Schumpeters Gedanke von Innovation, getragen von Unternehmern, und der Idee der „schöpferischen Zerstörung“ erstaunlich aktuell. Er wurde nie wirklich widerlegt. Im Gegenteil, er scheint heute relevanter denn je, um die tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen zu verstehen, denen wir gegenüberstehen.

Bezüglich der «NextGen» wird viel diskutiert, welche Veränderungen sie in unserem Beruf verursachen könnte. Meinerseits beobachte ich jedoch keine grundlegende Veränderung der Verhaltensweisen. Im Rahmen von Vermögensnachfolgen ist es sogar häufig, dass die nächste Generation die Verwaltung ihres Vermögens stärker delegieren möchte, statt sich direkt an Investitionsentscheidungen zu beteiligen.

Im Gegenzug haben die technologischen Innovationen des Bankensystems die Transparenz, den Informationszugang, die Qualität der Schnittstellen und die Einfachheit der täglichen Transaktionen tiefgreifend verbessert. Diese Entwicklung begünstigt einen häufigeren Austausch mit unseren Kunden. Wir erhalten mehr Anrufe oder spontane Rückmeldungen infolge unserer Investitionsentscheidungen, was die Qualität des Dialogs, das gegenseitige Vertrauen und den reibungslosen Ablauf der Beziehung stärkt.

Diese gestiegene Transparenz setzt auch positiven Druck auf die Preisgestaltungsmodelle. Der Wettbewerb verschärft sich zugunsten der Kunden ebenso wie der Vermögensverwalter, die echten Mehrwert bringen. Es ist eine gesunde Entwicklung: Letztlich wird nicht mehr der bloße Zugang zu den Produkten vergütet, sondern die Qualität der Beratung, die Begleitung und die Expertise.

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