Vor allem junge städtische Mieter erleben die größte Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen und der Realität. Und genau in dieser Gruppe träumt man am stärksten davon, Eigentümer zu werden, während die Zufriedenheit mit dem Wohnraum noch nie so niedrig war. Um den Traum vom Eigentum zu verwirklichen, spart man in der Deutschschweiz fleißiger, während in der Romandie stärker ein leichterer Zugang zum Eigentum gefordert wird. Die Abschaffung des Eigenmietwerts bleibt für die Eigentümer ein Anliegen. Zwar führt sie zu einem leichten Anstieg der Investitionen, sie hat jedoch nicht den erwarteten Boom bei Renovierungen ausgelöst.
Der Traum vom Wohnen der Schweizer Bevölkerung bleibt bemerkenswert stabil: Laut der Studie zum idealen Wohnraum 2026, durchgeführt von Helvetia und MoneyPark, möchten etwa 43% der Befragten auf dem Land leben und 50% träumen von einem Einfamilienhaus. Allerdings vertieft sich die Kluft zwischen Traum und Realität. Die aktuelle und privilegierte Lebensumgebung entspricht den Erwartungen nur für 63% der städtischen Bevölkerung. Dieses Missverhältnis erklärt, warum die Zufriedenheit derzeit in der Stadt am niedrigsten ist: Nur 41% fühlen sich „sehr zufrieden“, weit hinter den Bewohnern der Agglomerationen (50%) oder dem Land (58%). Die Diskrepanz ist auch im Hinblick auf die Art der Immobilien größer. Tatsächlich wohnen nur 34% der Mieter in einer Wohnung, die dem von ihnen bevorzugten Immobilientyp entspricht. Zum Vergleich: Bei den Wohnungseigentümern liegt diese Zahl bei 54% und bei den Hausbesitzern bei 89%. Es sind also die heute in der Stadt lebenden Mieter, die am stärksten den Wunsch äußern, den Lebensraum zu wechseln. Eine vertiefte Analyse der Umfrage zeigt, dass vor allem die 25-40-Jährigen heute in einer städtischen Wohnung leben. Sie sind am unzufriedensten mit ihrem Lebensumfeld und zählen auch zu denen, die am ehesten bereit sind, eine Wohnung zu kaufen. „In der Schweiz divergieren die Wohnpräferenzen und die tatsächliche Entwicklung: Viele Menschen würden lieber auf dem Land leben, ziehen aber wegen Arbeit, Infrastruktur und sozialem Umfeld in Zentren. Daher erleben wir weniger eine ländliche Abwanderung als eine nachhaltige Urbanisierung“, erklärt Lukas Vogt, CEO von MoneyPark.
Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, ein zunehmend wichtigerer Faktor bei der Lage des Traumwohnsitzes
Wenn es um die Lage des Traumwohnsitzes geht, gewinnt die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Bedeutung (64%). Dieser Faktor ist in der Tat seit 2022 um 13% gestiegen und rangiert damit erstmals auf dem zweiten Platz. An erster Stelle bleiben Ruhe und Nähe zur Natur mit 66% bzw. 63%, die wichtigsten Kriterien. Im Einklang mit der wachsenden Bedeutung des Kriteriums öffentlicher Verkehr verliert die Bedeutung von Parkplätzen (30%) zwei Plätze gegenüber 2022 und landet in diesem Jahr erstmals auf dem 11. Platz, hinter der Nähe zum Arbeitsort (36%) und der Nähe zur Stadt (31%). Frauen legen größeren Wert auf Natur (67% gegenüber 60%) und die Nähe zum sozialen Umfeld (40% gegenüber 35%), während Männer die Steuerbelastung (39% gegenüber 26%) und die Nähe zum Arbeitsort (38% gegenüber 33%) bevorzugen.
Die Miete oder der Kaufpreis bleiben der entscheidende Faktor bei der Wahl einer neuen Wohnung. Ihre Bedeutung steigt weiter an (66% gegenüber 61% im Vorjahr). Die Befragten, egal ob Mieter oder Eigentümer, erwarten eher als im Vorjahr einen Anstieg der Immobilienpreise (77% gegenüber 72%). Bei der Wahl einer Wohnung landen Außenbereiche auf dem zweiten Platz (50%), gefolgt von Helligkeit (40%), dann Größe und Layout (jeweils 35%). Guter Sonneneinfall kommt auf den sechsten Platz und ist deutlich häufiger ein entscheidendes Kriterium für die befragten Frauen (37%) als für die Männer (27%).
Die jungen Menschen sparen systematisch – der Zugang zum Eigentum bleibt schwierig
Der anhaltende Anstieg der Immobilienpreise, das knappe Angebot und strikte Finanzierungsbedingungen machen den Erwerb von Eigentum immer schwieriger. Dennoch bleibt der Wunsch, Eigentümer zu werden, auf hohem Niveau, insbesondere bei den Jungen, bei denen mehr als 70% der 25-40-Jährigen Eigentum anstreben. So sparen in dieser Altersgruppe vier von fünf Personen planmäßig, davon drei Viertel (75%) für die Altersvorsorge und fast die Hälfte (47%) für eine Eigentumswohnung. „Das durchschnittliche Kaufalter liegt heute bei etwas mehr als 40 Jahren. Für die Hälfte der Haushalte ist der Traum vom Eigentum nur realisierbar, wenn man auf die Pensionskassengelder zurückgreift. Man muss eine kluge Strategie verfolgen, die Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Eigentumszugang ganzheitlich angeht, damit der Immobilienkauf langfristig finanzierbar bleibt“, rät Simon Weiner, Leiter Netzwerk Vertrieb & Prospection des Helvetia Suisse-Markt.
Der Traum zerbricht angesichts sinkender Verkaufsabsichten und strenger Finanzierungsbedingungen
Angesichts potenzieller Käuferinnen und Käufer geben 71% der langjährig Eigentümer sehr zufrieden an mit ihrer aktuellen Situation. Folglich beabsichtigen nur wenige, ihre Immobilie in den nächsten acht Jahren zu verkaufen (16%, gegenüber 19% im letzten Jahr). Das ist schlechte Nachrichten für Interessierte, die weiter mit einem sehr begrenzten Angebot rechnen sollten. Fast ein Drittel der potenziellen Käuferinnen und Käufer sieht ein weiteres Hindernis in den Finanzierungsbedingungen, von dem sie glauben, dass sie sie nicht erfüllen. Es überrascht daher nicht, dass besonders die Jungen (68% der 25- bis 30-Jährigen und 59% der 31- bis 40-Jährigen) und die Mieter (58%) politische Maßnahmen wünschen, die den Zugang zum Eigentum erleichtern. Unter ihnen ist die Begrenzung von spekulativem Immobilienerwerb (40%) die am meisten geforderte Maßnahme, gefolgt von steuerlichen Erleichterungen beim Kauf (37%) und dem privilegierten Zugang zum Eigentum von Wohnungen für in der Schweiz lebende Personen (34%).
Der Eigenmietwert verabschiedet sich mit leisem Missmut
Während die Mieter sich eine politische Unterstützung wünschen, die den Zugang zum Eigentum erleichtert, sind die Eigentümer von der jüngsten Abstimmung zur Abschaffung des Eigenmietwerts betroffen. Die Umsetzung dieser Entscheidung ab 2029 zeigt bereits erste Effekte: 54% der befragten Eigentümer planen in den nächsten zwei Jahren Investitionen, das sind vier Prozentpunkte mehr, direkt auf die Abschaffung des Eigenmietwerts zurückzuführen. Unter denen, die Renovierungen in Erwägung ziehen, geben 57% an, die Arbeiten vorsorglich voranzutreiben, solange sie noch steuerlich absetzbar sind. „Der erwartete Boom bei Renovationen – zumindest vorerst – scheint nicht einzutreten. Die Investitionspläne liegen zwar leicht über denen des Vorjahres, erreichen aber nicht die Absichten der Jahre zuvor“, bemerkt Lukas Vogt. Im Vergleich zum Vorjahr konzentrieren sie sich stärker auf Werterhalt-Maßnahmen, die derzeit noch steuerlich absetzbar sind. So übertrifft die Renovierung von Badezimmern (25%) die Investitionen in den Garten (20%), was es Sanitärbetrieben ermöglichen sollte, Aufträge zu füllen, bevor der Eigenmietwert abgeschafft wird. Gewinner sind auch Küchenhersteller (20%) und Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik-Spezialisten (18%), die aufgrund der Investitionsabsichten stärker nachgefragt werden sollten. Storage-Batterien machen einen weiteren Sprung in der Rangliste der beliebtesten Investitionen (15% gegenüber 9% im Vorjahr), und Solaranlagen bleiben ebenfalls stark gefragt.
Der Rösti-Graben zeigt sich in der Sparbereitschaft und in politischen Forderungen zum Zugang zum Eigentum
Der Traum, Eigentümer zu werden, existiert auf beiden Seiten der Sarine, ist jedoch in der Romandie etwas stärker ausgeprägt (51%) als in der Deutschschweiz (42%). So sind die Romands proportional häufiger daran interessiert, eine Eigentumswohnung zu erwerben, und ihr Zufriedenheitsniveau mit ihrer derzeitigen Wohnung ist geringer als in der Deutschschweiz (84% gegenüber 91% der Befragten geben an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein). Um den Traum vom eigenen Eigentum zu verwirklichen, spart man fleißig. Von den Befragten sparen 66% in der Deutschschweiz derzeit planvoll, gegenüber nur 53% in der Romandie.
Die größere Sparbereitschaft in der Deutschschweiz zeigt sich auch, wenn man die Befragten nach ihrer Fähigkeit fragt, unerwartete, aber notwendige Investitionen in ihr Eigenheim zu tätigen. Während in der Deutschschweiz eine Person von drei (35%) Bescheid weiß, dass sie ihr eigenes Zuhause besitzt, liegt diese Zahl in der Romandie bei 16%. Die größere Bereitschaft zur staatlichen Intervention in der Romandie (65% gegenüber 47%) scheint mit der geringeren Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnungssituation und einem stärker ausgeprägten Wunsch nach Eigentumszugang zusammenzuhängen. Insgesamt bevorzugt die Bevölkerung der Romandie einen etwas urbaneren Lebensstil, und genau dort ist der Zugang zum Eigentum aufgrund des hohen Preisdrucks stark eingeschränkt.
