Technologie: Korrektur oder Regimewechsel?

Investoren entdecken erneut, dass auch die besten Wachstumsstorys nicht immun gegen die Beschränkungen des Wirtschafts- und Finanzzyklus sind.

 

Nach mehreren Monaten rasanter Rallye mussten die amerikanischen Technologietitel eine plötzliche Korrekturbewegung hinnehmen. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verlor in zwei Sitzungen mehr als 12 Prozent, während der Nasdaq 100 um über 5 Prozent zurückging. Dieser Rückgang erfolgt jedoch nach einer Steigerung der Halbleiter um mehr als 80 Prozent seit dem Ende des ersten Quartals und fast 30 Prozent beim Nasdaq.

Mehrere Faktoren haben zugleich die Sorgen der Investoren neu befeuert. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten treiben weiterhin die Risiken im Energiebereich und die Inflation an. Die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA bleibt robust, mit durchschnittlich nahezu 190.000 neu geschaffenen Stellen in den letzten Monaten. Gleichzeitig erwarten die Märkte nun eher Zinserhöhungen als Zinssenkungen der Federal Reserve. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg auf rund 4,5 %, dem höchsten Stand seit mehreren Monaten.

Schließlich bleiben die Finanzierungsbedürfnisse im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz erheblich. Die von den Technologieriesen angekündigten Investitionen belaufen sich auf Hunderte von Milliarden Dollar, während mehrere bedeutende Börsengänge in den kommenden Quartalen einen bedeutenden Teil der weltweiten Ersparnisse mobilisieren könnten.

Im Gegensatz zu einigen spekulativen Phasen der Vergangenheit ging der Kursanstieg mit einem deutlichen Gewinnanstieg einher.

Diese Korrektur ähnelt nicht dem Ausbruch einer Blase, sondern vielmehr einer Phase der Neubewertung der Risiken. Investoren erkennen erneut, dass auch die besten Wachstums-Geschichten nicht immun gegen die Beschränkungen des Wirtschafts- und Finanzzyklus sind.

Die wichtigste Veränderung betrifft die Kapitalkosten. Wenn die Renditen von Anleihen steigen, werden die zukünftigen Gewinnströme der Wachstumsunternehmen mit einem höheren Abzinsungssatz diskontiert, was ihren Barwert mechanisch senkt. Technologiefirmen, bei denen ein großer Teil der Wertschöpfung aus zukünftigen Gewinnen stammt, sind von diesem Phänomen besonders betroffen.

Trotzdem bleiben die Fundamentaldaten solide. Im Gegensatz zu manchen spekulativen Phasen der Vergangenheit ging die Kursentwicklung mit einem deutlichen Gewinnanstieg einher. Die Ergebnisrevisionen der Technologiefirmen bleiben nach oben gerichtet, gestützt durch die Nachfrage nach KI-Infrastrukturen, Rechenleistung und fortschrittlichen Halbleitern. Die Bewertungen sind anspruchsvoll, scheinen aber nicht losgelöst von der wirtschaftlichen Realität.

Darüber hinaus sendet die anhaltende Stärke des Arbeitsmarktes in den USA ein widersprüchliches, aber letztlich beruhigendes Signal. Sollte sie die Hoffnungen auf eine Lockerung der Geldpolitik hinausschieben, bestätigt sie zugleich, dass die US-Wirtschaft nach wie vor über eine ausreichende Dynamik verfügt, um das Einkommen der Haushalte, den Konsum und die Gewinne der Unternehmen zu stützen.

Für Investoren ist die Lehre eindeutig: Die gegenwärtige Phase stellt das Thema Künstliche Intelligenz nicht infrage, aber sie markiert wahrscheinlich das Ende einer linearen Aufwärtsbewegung. Die kommenden Monate könnten durch eine größere Volatilität gekennzeichnet sein, befeuert durch geopolitische Unsicherheiten, Debatten über Inflationsentwicklung und Anpassungen der Erwartungen an die Geldpolitik.

In diesem Kontext erscheint eine deutliche Reduzierung des Engagements gegenüber US-Aktien oder Technologie verfrüht. Die strukturellen Treiber des Wachstums bleiben intakt und die Gewinne rechtfertigen weiterhin einen Großteil der beobachteten Bewertungen. Allerdings müssen Investoren akzeptieren, dass die künftige Performance stärker von der realen Gewinnentwicklung abhängen wird als von einer Expansion der Multiplikatoren.

Die jüngste Korrektur erinnert schließlich an eine Realität, die in Euphoriephasen oft vergessen wird: Die Märkte bestrafen nicht nur schlechte Nachrichten. Vielmehr bestrafen sie vor allem zu hohe Erwartungen. Heutzutage besteht nicht die Frage, ob künstliche Intelligenz die Weltwirtschaft transformieren wird. Die Frage besteht darin, ob die Gewinne schnell genug wachsen werden, um die bereits in den Kursen enthaltenen Versprechen zu rechtfertigen.

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