Gesundheit, Energie, Verteidigung, Infrastruktur… Die Technologie diffundiert in zahlreiche Branchen. Quelle produktiver und wirtschaftlicher Wertschöpfung ebenso wie Hebel der Energiewende, sie befindet sich an der Schnittstelle der europäischen strategischen Herausforderungen, von der Beschleunigung der KI bis zur Dekarbonisierung. Und der Imperativ souveräner Autonomie verschärft sich mit den jüngsten Krisen. Die Halbleiterknappheit nach Covid hat Europas Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten offengelegt, und der rasche Aufstieg der KI hat seither diese Spannungen weiter verschärft: Die Künstliche Intelligenz ist der Schnittpunkt von drei Bereichen der Souveränität: Daten, Rechenleistung und Elektrizität.
Es ist heute strategisch zu wissen, wo Daten gespeichert werden, wie sie verwendet werden und zugunsten wessen sie eingesetzt werden. Der Schutz unserer Daten und die Sicherheit unserer Kommunikation erfordern den Aufbau von Cloud-Speicherfähigkeiten und Rechenzentren in Europa. Dann muss man in der Lage sein, diese Daten in Wert umzuwandeln, mithilfe von Algorithmen und KI-Modellen. In diesem Bereich haben die USA und China einen erheblichen Vorsprung. Europa verfügt über solide Kompetenzen und Champions, wie zum Beispiel Mistral, aber die Finanzierungslücken bleiben beträchtlich. Schließlich verlangt die KI eine energetische Gleichung: Ihr hoher Stromverbrauch macht Lösungen, die die Effizienz digitaler Infrastrukturen verbessern, unerlässlich.
Technologische Lösungen
Wir identifizieren mehrere Hebel zur Verbesserung. Der erste betrifft die Stromversorgung von Rechenzentren. In den USA gehören Hyperscaler-Unternehmen bereits zu den wichtigsten Käufern von erneuerbarer Elektrizität und tragen so zur Finanzierung neuer Produktionskapazitäten bei. In Europa ist der Anteil erneuerbarer Energien bereits sehr hoch, kann aber dank der Integration von Batterien noch weiter ausgebaut werden.
Der zweite Hebel betrifft die Energieeffizienz: leistungsfähigere Halbleiter, Optimierung von KI-Modellen, Datenkompression, innovative elektrische Infrastrukturen oder die gemeinschaftliche Nutzung von Infrastrukturen können dazu beitragen, den Energieverbrauch bei gleicher Leistung zu senken. Schneider Electric und Siemens entwickeln beispielsweise Geräte und Software, die es ermöglichen, den Energieverbrauch in Gebäuden oder industriellen Prozessen präzise zu steuern. Die führenden Akteure im Halbleiterbereich können ebenfalls Lösungen liefern. Die niederländischen Akteure ASML und ASMI liefern unverzichtbare Ausrüstungen für die Produktion leistungsfähigerer und energieeffizienterer Chips. STMicroelectronics hat seinerseits Innovationen im photonischen Silizium angekündigt, das Daten mittels Licht und nicht durch ein elektrisches Signal überträgt und so den Energieverbrauch deutlich reduziert.
Darüber hinaus bleibt das Thema Wasser-Management oft viel zu unterschätzt, obwohl Rechenzentren große Mengen davon für ihre Kühlung verwenden. Das erfordert Innovationen, zum Beispiel geschlossene Kreisläufe, spezifische Kühlmittel oder das direkte Eintauchen der Chips. Schließlich verdient die Lieferkette besondere Aufmerksamkeit: Gewinnung seltener Erden, Elektrifizierung von Bergbaumaschinen, der Energiebedarf von Fabriken oder die Entwicklung von Ersatzmaterialien – all dies sind strukturierende Themen.
Europa wird seine Energiewende und Umwelttransformation nicht ohne technologische Innovationen schaffen können und auch seine Souveränität nicht ohne Investitionen sichern. Es ist daher entscheidend, den Aufbau eines europäischen technologischen Ökosystems zu begleiten, das zugleich leistungsfähig, widerstandsfähig und nachhaltig ist.
